Zum Thema Furcht

in Bezug auf diesen Artikel vom Fassadenkratzer: https://fassadenkratzer.wordpress.com/2021/06/04/systematische-gedanken-kontrolle-und-deformation-der-menschlichen-psyche/

„„Was soll es nun dem Heutigen bedeuten, wenn er sich durch das Vorbild der Todesbezwinger, der Götter, Helden und Weisen leiten läßt? Es heißt, daß er sich am Widerstande gegen die Zeit beteiligt, und nicht nur gegen diese, sondern jede Zeit überhaupt, und deren Grundmacht ist die Furcht. Jegliche Furcht, wie abgeleitet sie auch erscheine, ist im Kerne Todesfurcht. Wenn es dem Menschen gelingt, hier Raum zu schaffen, so wird sich diese Freiheit auch auf jedem anderen Felde geltend machen, das die Furcht regiert. Dann wird er die Riesen fällen, deren Rüstung der Schrecken ist. Auch das hat sich in der Geschichte stets wiederholt.“

Quelle: https://t.me/WaldgangAlbdruck/17408

Generell ist zu beobachten: Die Leute bleiben passiv, in jedem Lebensbereich, und lassen sich berieseln. Man muß bei allem AKTIV sein, auch bei dem, was man nicht erlebt, so zum Beispiel die an vielen Stellen immer noch als „Hintergrundrauschen“ gehörten mainstream-Medien. Man sagt aktiv NEIN DANKE und zieht sich zurück. Das ist das Recht jedes Menschen. Und wenn man dann irgendwann mal aktiv beginnt, nach der Wahrheit zu suchen, hat man die Schwelle zur Furcht-Freiheit überschritten.

Je mehr Wahrheit man findet, desto freier wird man. Nicht umsonst heißt es: Nur die Wahrheit macht uns frei.

Es gibt einen Punkt, an dem die Menschen derzeit schein-aktiv sind. Schein-aktiv meint, daß Menschen in Massen etwas tun, was nachweislich kein Ergebnis bringen wird, so z.Bsp. Demos. Das nenne ich konditioniertes Irresein, hat aber mit dem Thema Furcht-Freiheit nur insoweit etwas zu tun, als daß viele Menschen es erst in der Masse, in der sie anonymisiert untertauchen können, schaffen, einigermaßen angstfrei zu agieren. Dies ist natürlich ein Placebo, eine Schein-Freiheit, die keinem etwas bringt. Nicht nur deshalb rate ich seit längerem von Demos ab.

Die Wahrheit muß jeder für sich, so, wie jeder eben kann, einzeln heraus finden. Es mag sein, daß es Hilfe gibt, aber die Hilfe kommt nie aus der „Masse Mensch“, sondern auch immer nur dann von einzelnen Menschen.

KeineHeimatKyffhäuser

In einer Millionenstadt leben Zehntausend Waldgänger

geteilt von: https://ultimativefreiheitonline.wordpress.com/2021/04/23/3-bucher-zum-11jahrigen-bestehen/

„Komischerweise ist der 23. April auch der Namenstag des Heiligen Georg, der anno dazumal die Welt angeblich von den „Drachen“ befreit haben soll, womit hoffentlich irgendwelche herrschsüchtigen Tyrannen gemeint waren und nicht solche liebreizenden Kraftwesen wie der Drache Fuchur in Michael Endes Werk ‚Die unendliche Geschichte‘. Nicht zuletzt wird immer am 23. April der „Tag des Buches“ gefeiert, womit wir nun 3 gute Gründe haben, um noch einmal auf die folgenden drei Klassiker der politisch unkorrekten Weltliteratur hinzuweisen:

H.D. Thoreau – Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, 1849
Etienne de La Boëtie – Abhandlung über die freiwillige Knechtschaft, 1548
und mit der Bitte um aufmerksame Lektüre hier eigens ausgewählter Text-Auszüge:
Ernst Jünger – Der Waldgang, 1951
(So zutreffend die Schilderungen von E. Jünger sind, so erkennen wir an dem vorgezeigten Prozess leider auch, daß wir gegenwärtig schon einen Schritt weiter sind und die Diktatur ihre Demokratie-Maske bereits abgenommen hat)

Als Programmschrift eines revolutionären Konservatismus wurde dieses Buch bei seinem ersten Erscheinen im Jahr 1951 verstanden, oder auch als »Brevier für den geistig-politischen Partisanen«.
Neben den Arbeiter und den Unbekannten Soldaten stellte Jünger eine dritte Modellgestalt, den Waldgänger, der im Unterschied zu den beiden anderen dem Jetzt und Hier angehört. Der Wald ist der Ort des Widerstands, wo neue Formen der Freiheit aufgeboten werden gegen neue Formen der Macht

Auszüge
(Unterstreichungen und dicke Tinte durch JFlC)

I

Der Waldgang – es ist keine Idylle, die sich hinter dem Titel verbirgt. Der Leser muß sich vielmehr auf einen bedenklichen Ausflug gefasst machen, der nicht nur über vorgebahnte Pfade, sondern auch über die Grenzen der Betrachtung hinausführen wird.

Es handelt sich um eine Kernfrage unserer Zeit, das heißt, um eine Frage, die auf alle Fälle Gefährdung mit sich bringt. Wir reden ja viel von Fragen, ähnlich wie unsere Väter und Großväter das schon getan haben. Inzwischen hat sich freilich bedeutend verändert, was man in diesem Sinne eine Frage nennt. Sind wir uns dessen schon bewußt genug?

II

Der Leser wird an sich selbst erfahren haben, daß sich das Wesen der Frage geändert hat. Wir leben in Zeiten, in denen ununterbrochen fragenstellende Mächte an uns herantreten. Und diese Mächte sind nicht nur von idealer Wißbegier erfüllt. Indem sie sich mit ihren Fragen nähern, erwarten sie von uns nicht, daß wir einen Beitrag zur objektiven Wahrheit liefern, ja nicht einmal, daß wir zur Lösung von Problemen beitragen. Sie legen nicht auf unsere Lösung, sie legen auf unsere Antwort Wert.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Es nähert die Fragen den Verhören an. Man wird das an der Entwicklung verfolgen können, die vom Wahlzettel zum Fragebogen führt. …

Die Antwort lautet, daß unserem Wähler durch den Wahlzettel Gelegenheit geboten wird, sich an einem Beifall spendenden Akt zu beteiligen. Nicht jedermann wird dieses Vorzuges für würdig erachtet – so fehlen in den Listen sicher die Namen der zahllossen Unbekannten, aus denen man die neuen Sklavenheere rekrutiert. Der Wähler pflegt daher zu wissen, was von ihm erwartet wird.

Insofern liegen die Dinge klar. Im Maße, in dem die Diktaturen sich entwickeln, ersetzen sie die freien Wahlen durch das Plebiszit. Der Umfang des Plebiszits übergreift aber jenen Ausschnitt, den vor ihm die Wahlen einnahmen. Die Wahl wird vielmehr zu einer der Formen des Plebiszits.

Das Plebiszit kann öffentlichen Charakter tragen, wo sich die Führer oder die Symbole des Staates zur Schau stellen. Der Anblick großer, leidenschaftlich erregter Massen ist eines der wichtigsten Zeichen dafür, daß wir in ein neues Zeitalter eingetreten sind.
In solchem Bannkreis herrscht, wenn nicht Einhelligkeit, so doch gewiss Einstimmigkeit, denn wo hier eine andere Stimme sich erhöbe, würden sich die Wirbel bilden, die ihren Träger vernichteten. Daher kann sich der Einzelne, der sich auf diese Weise bemerkbar machen will, auch gleich zum Attentat entschließen: es läuft in den Folgen auf dasselbe hinaus.

Wo aber das Plebiszit sich in die Formen der freien Wahl verkleidet, wird man auf den geheimen Charakter Wert legen. Die Diktatur sucht damit den Nachweis zu erbringen, daß sie sich nicht nur auf die ungeheure Mehrheit stützt, sondern daß deren Beifall zugleich im freien Willen der Einzelnen verwurzelt ist. Die Kunst der Führung liegt nicht nur darin, die Frage richtig zu stellen, sondern zugleich in der Regie, die monopolistisch ist. Sie hat den Vorgang als überwältigenden Chorus darzustellen, der Schrecken und Bewunderung erregt.

Bis hierher scheinen die Dinge übersichtlich, wenngleich für einen älteren Betrachter neuartig. Der Wähler sieht sich einer Frage gegenüber, auf welche die Antwort aus triftigen Gründen im Sinne des Fragestellers abzufassen sich empfiehlt. Die eigentliche Schwierigkeit liegt aber darin, daß zugleich die Illusion der Freiheit erhalten bleiben soll. Und damit mündet die Frage, wie jeder moralische Prozeß in diesen Räumen, in die Statistik ein. Mit ihren Einzelheiten wollen wir uns näher beschäftigen. Sie führen auf unser Thema zu.

3

Hundert Prozent: das ist die ideale Ziffer, die, wie alle Ideale, stets unerreichbar bleibt. Man kann sich ihr indessen annähern – ganz ähnlich wie man sich im Sport gewissen, auch unerreichbaren Rekorden um Bruchteile von Sekunden oder Metern annähert. Wie groß nun die Annäherung sein darf, das wird wiederum von einer Fülle verwickelter Erwägungen bestimmt.

An Plätzen, wo die Diktatur schon stark gefestigt ist, würden neunzig Prozent Bejahungen schon zu stark abfallen. Daß sich in jedem Zehnten ein geheimer Gegner verbirgt: den Gedanken kann man den Massen nicht zumuten. Dagegen würde eine Zahl von ungültigen und Gegenstimmen, die sich um zwei Prozent herum bewegt, nicht nur erträglich, sondern auch günstig sein. …

Der Nutzen dieser beiden Stimmen für den Veranstalter ist ein doppelter: sie geben einmal den übrigen achtundneunzig Stimmen Kurs, indem sie bezeugen, daß jeder ihrer Träger sein Votum hätte abgeben können wie jene zwei Prozent. Damit gewinnt sein Ja an Wert, wird echt und vollgültig. Den Diktatoren ist der Nachweis wichtig, daß die Freiheit, Nein zu sagen, bei ihnen nicht ausgestorben ist. Darin liegt eines der größten Komplimente, die man der Freiheit machen kann.

Der zweite Vorteil unserer zwei Prozent ist, daß sie die ununterbrochene Bewegung unterhalten, auf welche die Diktaturen angewiesen sind. Aus diesem Grunde pflegen sie sich immer noch als „Partei“ zu geben, obwohl das sinnlos ist. Mit hundert Prozent wäre das Ideal erreicht. Das würde die Gefahren mit sich bringen, die mit jeder Erfüllung verbunden sind. …

Die Propaganda ist auf einen Zustand angewiesen, in dem der Staatsfeind, der Klassenfeind, der Volksfeind zwar durchaus aufs Haupt geschlagen und schon fast lächerlich geworden, doch immerhin noch nicht ganz ausgestorben ist. Die Diktaturen können von der reinen Zustimmung nicht leben, wenn nicht zugleich der Haß und mit ihm der Schrecken die Gegengewichte gibt. Nun würde aber bei hundert Prozent guter Stimmen der Terror sinnlos werden; man träfe nur noch Gerechte an. Das ist die Bedeutung der zwei Prozent. Sie weisen nach, daß zwar die Guten in ungeheurer Mehrheit, doch auch nicht gänzlich ungefährdet sind. Im Gegenteil ist anzunehmen, daß angesichts so überzeugter Einheit nur eine besondere Verstocktheit sich unbeteiligt erhalten kann. Es handelt sich um Saboteure mit dem Stimmzettel – und was liegt näher als der Gedanke, daß sie auch zu anderen Formen der Sabotage schreiten werden, wenn sich Gelegenheit ergibt?

Das ist der Punkt, an dem der Wahlzettel zum Fragebogen wird. Es ist dabei nicht nötig, eine individuelle Haftung für die erteilte Antwort anzunehmen, doch darf man sicher sein, daß ziffernmäßige Beziehungen betstehen. Man darf gewiß sein, daß jene zwei Prozent nach den Regeln der doppelten Buchführung auch in anderen Registern als denen der Wahlstatisitk in Erscheinung treten, wie etwa in den Namenslisten der Zuchthäuser und Arbeitslager oder an jenen Stätten, wo Gott allein die Opfer zählt.

Dies ist die andere Funktion, die diese winzige Minderheit auf die ungeheure Mehrheit ausübt – die erste bestand, wie wir sahen, darin, daß sie den achtundneunzig Prozenten erst Wert, ja Wirklichkeit verlieh. Noch wichtiger ist indessen, daß niemand zu den zwei Prozent gerechnet werden will, in denen ein böses Tabu sichtbar wird. Im Gegenteil wird jeder Wert darauf legen, recht bekannt zu machen, daß er eine gute Stimme abgegeben hat. Und sollte er zu den zwei Prozent gehören, so wird er das auch seinen besten Freunden gegenüber geheim halten.

Der Wähler wird Wert darauf legen, daß er bei der Abstimmung gesehen wird. … So zählt zu den Figuren, die immer wiederkehren, der Biedermann, der seinen Zettel etwa mit den Worten überreicht:
„Man könnte ihn ja auch offen abgeben.“

Darauf der Wahlbeamte mit wohlwollendem, sybillenhaftem Lächeln: „ Ja, ja – es soll aber nicht sein.“

Der Besuch solcher Stätten schärft die Augen im Studium der Machtfragen. … Doch würde es zu weit führen, wenn wir uns mit den Einzelheiten beschäftigen. Wir wollen uns damit begnügen, die eigenartige Figur des Mannes zu betrachten, der ein solches Lokal in der festen Absicht, mit Nein zu stimmen, betreten hat.

4

Die Absicht unseres Mannes ist vielleicht gar nicht so eigenartig; sie mag von vielen anderen geteilt werden, wahrscheinlich von bedeutend mehr als den erwähnten zwei Prozenten der Wählerschaft. Dagegen sucht die Regie ihm vorzuspiegeln, daß er sehr einsam sei. Und nicht nur das – die Mehrheit soll nicht nur ziffernmäßig imponieren, sondern auch durch die Zeichen moralischer Überlegenheit.

Wir dürfen annehmen, daß unser Wähler dank seiner Urteilskraft der langen, eindeutigen Propaganda widerstanden hat, die auf geschickte Weise sich bis zum Wahltag steigerte. Das war nicht einfach; dazu kommt, daß die Kundgebung, die von ihm verlangt wird, sich in höchst achtbare Fragestellungen leidet; man fordert ihn zur Teilnahme an einer Freiheitswahl oder Friedensabstimmung auf. Wer aber liebte die Frieden und Freiheit nicht? Er müßte ein Unmensch sein. Das teilt dem Nein schon einen kriminellen Charakter mit. Der schlechte Wähler gleicht dem Verbrecher, der zum Tatort schleicht.

Wie anders fühlt sich der gute Wähler sich durch diesen Tag erquickt. Bereits beim Frühstück erhielt er durch den Radiofunk den letzen Auftrieb, die letzte Anweisung. Dann geht er auf die Straße, auf der festliche Stimmung herrscht.

Der große Augenblick ist gekommen: der Wähler macht seine Eintragung. Wir wollen im Geist an seine Seite treten; er hat tatsächlich mit Nein gestimmt. Zwar ist der Akt ein Schnittpunkt von Fiktionen, die wir noch untersuchen wollen -: die Wahl, der Wähler, die Wahlplakate, das sind Etiketten für ganz andere Dinge und Vorgänge. Es sind Vexierbilder. In ihrem Aufstieg leben die Diktatoren zum großen Teile davon, daß man ihre Hyroglyphen noch nicht entziffern kann. …

Man hat den Eindruck, daß unser Mann in eine Falle gegangen ist. Das macht sein Verhalten nicht weniger bewundernswert. Wenngleich es sich bei seinem Nein um eine Kundgebung auf verlorenem Posten handelt, so wird es dennoch fortwirken. Dort freilich, wo die alte Welt sich noch im Abendsonnenglanz badet, an schönen Hängen, auf Inseln, kurzum in milderen Klimaten, wird es nicht bemerkt werden. Dort imponieren die achtundneunzig anderen Stimmen, die auf das Hunderte abgegeben worden sind. Und da man seit langem immer gedankenloser den Kult der Mehrheit feiert, übersieht man die zwei Prozent. Sie spielen im Gegenteil die Rolle, die Mehrheit anschaulich und überwältigend zu machen, denn bei hundert vom Hundert fiele die Mehrheit fort.

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Wir wollen annehmen, daß wir uns an einem Punkt befinden, an dem die Propaganda in ihrer abschreckenden Wirkung schon ziemlich fortgeschritten ist. In diesem Falle wird in der Bevölkerung das Gerücht umgehen, daß große Mengen von Neinstimmen in Bejahungen verwandelt wurden sind. Das wird wahrscheinlich gar nicht nötig gewesen sein. Es könnte sich sogar das Gegenteil ereigenet haben, insofern der Fragesteller noch Neinstimmen erfinden mußte, um die Zahl zu schaffen, die er errechnete. Gewiß bleibt, daß er den Wählern das Gesetz gibt, und nicht sie ihm. Damit wird die politische Entthronung der Massen sichtbar, die das 19. Jahrhundert entwickelte.

Es dürfte unter diesen Umständen schon viel bedeuten, wenn sich nur eine Neinstimme auf das Hundert in der Urne vorfindet. Von ihrem Träger kann man erwarten, daß er für seine Meinung und für seine Vorstellung von Recht und Freiheit Opfer bringen wird.

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Wir stoßen hier also auf wirklichen Widerstand, freilich auf einen Widerstand, der seine eigene Stärke noch nicht kennt und nicht die Art, in der sie anzuwenden ist. Indem unser Wähler sein Kreuz an die gefährliche Stelle setzte, tat er gerade das, was der übermächtige Gegner von ihm erwartete. Das ist die Tat eines gewiß tapferen Menschen, aber zugleich eines der zahllosen Analphabeten in den neuen Machtfragen. Es handelt sich um jemandem, dem geholfen werden muß.

Wenn er im Wahllokal von den Gefühl ergriffen wurde, in eine Falle zu teten, dann erkannte er die Lage, in der er sich befand. Er war an einem Ort, an dem kein Name mehr stimmte für die Dinge, die sich ereigneten. Vor allem füllte er, wie wir sahen, keinen Stimmzettel, sondern einen Fragebogen aus, stand daher nicht im freien Verhältnis, sondern war seiner Behörde konfrontiert. Indem er nun, als einziger unter hundert, sein Nein ankreuzte, wirkte er an einer Behördenstatisitk mit. Er gab, indem er sich dabei ganz unverhältnismäßig gefährdete, dem Gegner die erwünschten Aufschlüsse. Für diesen würden hundert von hundert Stimmen beunruhigender gewesen sein.

Wie aber soll sich unser Mann verhalten, wenn er die letzte ihm eingeräumte Möglichkeit der Meinungsäußerung versäumt? Mit dieser Frage berühren wir eine neue Wissenschaft, nämlich die Lehre von der Freiheit des Menschen gegenüber der veränderten Gewalt. Das führt weit über unseren Einzelfall hinaus. Ihn wollen wir indessen zunächst begutachten.

Der Wähler steht vor der Klemme, daß er zur freien Entscheidung eingeladen wird durch eine Macht, die sich ihrerseits nicht an die Spielregeln zu halten gedenkt. Es ist die gleiche Macht, die ihm Eide abfordert, während sie selbst von Eidbrüchen lebt. Er leistet also einen guten Einsatz bei einer betrügerischen Bank. Daher kann niemand ihm einen Vorwurf machen, wenn er nicht auf die Fragestellung eingeht und sein Nein verschweigt. Er ist dazu berechtigt nicht nur aus Gründen der Selbsterhaltung, sondern es kann sich in diesem Verhalten auch eine Verachtung dem Machthaber gegenüber offenbaren, die einem „Nein“ noch übelegen ist.

Damit soll nicht gesagt sein, daß nun das Nein unseres Mannes der Außenwelt verloren gehen muß. Im Gegenteil – nur soll es nicht an dem Ort erscheinen, den der Machthaber dafür auserkoren hat.

Es gibt andere Plätze, an denen es ihm bedeutend unangehmener ist – etwa den weißen Rand eines Wahlplakates, ein öffentliches Telefonbuch oder das Geländer einer Brücke, über die täglich Tausende von Menschen gehen. Hier würde ein kurzer Satz etwa „Ich habe Nein gesagt“, an besserer Stelle stehen.

Andererseits eröffnen die Diktaturen durch ihren eigenen Druck eine Reihe von Blößen, die den Angriff vereinfachen und abkürzen. So braucht man, um bei unserem Beispiel zu bleiben, nicht einmal den oben erwähnten Satz. Auch das Wörtchen „Nein“ würde ausreichen, und jeder, dessen Augen darauf fielen, würde genau wissen, was es zu bedeuten hat. Das ist ein Zeichen dafür, daß die Unterdrückung nicht völlig gelungen ist. Gerade auf eintönigen Unterlagen leuchten die Symbole besonders auf. Den grauen Flächen entspricht Verdichtung auf engstem Raum.

Die Zeichen können als Farben, Figuren oder Gegenstände auftreten. Wo sie Buchstabencharakter tragen, verwandelt sich die Schrift in Bilderschrift zurück. Damit gewinnt sie unmittelbares Leben, wird hyroglyphisch und bietet nun, statt zu erklären, Stoff für Erklärungen. Man könnte noch weiter abkürzen und statt des „Nein“ einen einzigen Buchstaben setzen – nehmen wir an, das W. Das könnte dann etwa heißten: Wir, Wachsam, Waffen, Wölfe, Widerstand. Es könnte auch heißen: Waldgänger.

Das wäre ein erster Schritt aus der statistisch überwachten und beherrschten Welt. Und sogleich erhebt sich die Frage, ob denn der Einzelne auch stark genug zu solchem Wagnis wäre.

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Im Waldgang betrachten wir die Freiheit des Einzelnen in dieser Welt. Dazu ist auch die Schwierigkeit, ja das Verdienst zu schildern, das darin liegt, in dieser Welt ein Einzelner zu sein. Daß sie sich, und zwar notwendig, verändert hat und noch verändert, wird nicht bestitten, doch damit verändert sich auch die Freiheit, zwar nicht in ihrem Wesen, wohl aber in der Form. …

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Der Träger der einen Stimme ist noch kein Waldgänger. Historisch gesehen, ist er sogar im Verzug. Das deutet sich auch darin an, daß er verneint. Erst wenn er die Partie überblickt, kann er mit eigenen und vielleicht überraschenden Zügen aufwarten.

Er muß dazu vor allem aus dem Rahmen der alten Mehrheitsvorstellungen heraustreten, … . In diesem Rahmen wird eine Minderheit von einem Prozent ganz ohne Bedeutung sein. Wir sahen, daß sie eher dazu dient, die überwältigende Mehrheit zu bestärken.

Das ändert sich, sowie man von der Statistik absieht zugunsten wertender Erwägungen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die eine Stimme so sehr von allen anderen, daß sie ihnen sogar den Kurs verleiht. Wir dürfen ihrem Träger zutrauen, daß er sich nicht nur eine eigene Meinung zu bilden, sondern daß er an ihr auch festzuhalten weiß. Wir dürfen unserem Manne daher auch Mut zubilligen. Wenn sich, in vielleicht langen Zeiten reiner Gewaltanwendung, Einzelne finden, die Kenntnis des Rechten auch unter Opfern wahren, so ist es hier, wo man sie suchen muß. Auch wo sie schweigen, wird immer, wie über unsichtbaren Klippen, Bewegung um sie sein. An ihnen erweist sich, daß eine Übermacht, auch wo sie historisch verändert, nicht Recht schaffen kann.

Wenn wir die Dinge unter diesem Winkel sehen, erscheint die Macht des Einzelnen inmitten der ranglosen Massen nicht so gering. Man muß bedenken, daß dieser Einzelne fast immer von Nächsten umgeben ist, auf die er einwirkt und die sein Schicksal teilen, wenn er fällt. Auch diese Nächsten unterscheiden sich von den Mitgliedern der bürgerlichen Familie oder von den guten Bekannten der Vergangenheit. Es handelt sich um stärkere Bindungen.

Wir wollen uns begnügen, in einer Stadt von zehntausend Einwohnern hundert Menschen zu vermuten, die der Gewalt Abbruch zu leisten entschlossen sind. In einer Millionenstadt leben zehntausend Waldgänger, wenn wir uns dieses Namens bedienen wollen, ohne noch seine Tragweite zu übersehen. Das ist eine gewaltige Macht. Sie ist zum Sturz auch starker Zwingherren hinreichend. Die Diktaturen sind ja nicht nur gefährlich, sie sind zugleich gefährdet, da die brutale Kraftentfaltung auch weithin Abneigung erregt. In solcher Lage wird die Bereitschaft winziger Minderheiten bedenklich sein, vor allem, wenn sie eine Taktik entwickelt.

Daraus erklärt sich das riesenhafte Wachstum der Polizei. Die Ausweitung der Polizei zu Heeren wird auf den ersten Blick seltsam erscheinen in Reichen, in denen der Beifall so überwältigend geworden ist. Sie muß also ein Zeichen dafür sein, daß die Potenz der Minderheit im gleichen Verhältnis gewachsen ist. Das ist in der Tat der Fall. Von einem Manne, der bei einer sogenannten Friedenswahl mit Nein stimmt, wird unter allen Umständen Widerstand zu erwarten sein, und dann besonders, wenn der Gewalthaber in Schwierigkeit gerät. Dagegen läßt sich durchaus nicht mit derselben Gewißheit darauf zählen, daß, wenn die Dinge schwankend werden, der Beifall der neunundneunzig anderen erhalten bleibt. Die Minderheit in solchen Fällen gleicht einem Mittel von starker und unberechenbarer Wirkung, das den Staat durchsetzt.

Um diese Ansatzpunkte zu ermitteln, zu beobachten, zu überwachen, ist Polizei in großen Mengen notwendig. Das Mißtrauen wächst mit der Zustimmung. Je näher der Anteil der guten Stimmen den hundert Prozent kommt, desto größer wird die Zahl der Verdächtigen, denn es ist anzunehmen, daß nun die Träger des Widerstandes aus einer statistisch faßbaren Ordnung hinüberwechselten in jene unsichtbare, die wir als den Waldgang ansprechen. Nunmehr muß jeder überwacht werden. Die Ausspähung schiebt ihre Organe in jeden Block, in jedes Wohnhaus vor. Sie sucht selbst in die Familien einzudringen und erreicht ihre letzten Triumphe in den Selbstbezichtigungen der großen Schauprozesse: hier sehen wir das Individuum als seinen eigenen Polizisten auftreten und an seiner Vernichtung mitwirken. …

Welch ein befremdender Anblick, diese hochgerüsteten, im Besitz aller Machtmittel sich brüstenden Staaten zugleich so überaus empfindlich zu sehen. Die Sorgfalt, die sie auf die Polizei verwenden müssen, vermindert ihre äußere Macht. Die Polizei beschränkt den Etat des Heeres, und nicht nur den Etat. Wären die großen Massen so durchsichtig, so gleichgerichtet in den Atomen, wie die Propaganda es behauptet, dann wäre nicht mehr an Polizei vonnöten, als ein Schäfer Hunde für seine Herde braucht. …

10

Zur Eigenart unserer Zeit gehört die Verknüpfung bedeutender Auftritte mit unbedeutenden Darstellern. …

Das Ärgerliche an diesem Schauspiel ist die Verbindung von so geringer Höhe mit ungeheurer funktionaler Macht. Das sind die Männer, vor denen Millionen zittern, von deren Entschlüssen Millionen abhängen. Und doch sind es dieselben, von denen man zugeben muß, daß der Zeitgeist sie mit unfehlbarem Griff auswählte, wenn man ihn unter einem seiner möglichen Aspekte, nämlich dem eines gewaltigen Abbruchunternehmers, betrachten will. All diese Enteignungen, Abwertungen, Gleichschaltungen, Liquidationen, Rationalisierungen, Sozialisierungen, Elektrifizierungen, Flurbereinigungen, Aufteilungen und Pulverisierungen setzen weder Bildung noch Charakter voraus, die beide den Automatismus eher schädigen. Wo daher in der Werkstättenlandschaft auf die Macht geboten wird, erhält derjenige den Zuschlag, in dem sich das Bedeutungslose durch starken Willen überhöht. Dies Thema, und insbesondere seine moralische Verflechtung, werden wir an anderer Stelle wieder aufnehmen.

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Mit Dank für die gute Textzusammenstellung,

KeineHeimatKyffhäuser

Die Macht der 80 Prozent Dummen und wer dazu gehört – Konsequenzen

Was haben Demokratie und Diktatur gemeinsam? Das dumme Volk!

Wer es noch immer nicht verstanden hat: In der Demokratie wählen die Dummen die Regierung, in der Diktatur wählt sich die Regierung die Dummen. © Erhard Blanck

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Ich klage euch an, ihr seid die TÄTER. Dank eurer Dummheit da draußen, eurer wohlfeilen, satten ekelhaft arroganten Dummheit, dank eurem Wohlstand, da es euch ja IMMER NOCH zu gut geht, ist Deutschland verloren.

Ich klage an:

Alle, die im Schein-Widerstand sind. Zum Beispiel M. Sellner, der immer noch auf einen „wir müssen Geduld haben“, macht. Dabei weiß Sellner ganz genau, daß mit der Unterzeichnung des Migrationspaktes JEDWEDE Kritik am Pakt verboten wird. Das heißt, auch Sellners (Schein-)Widerstandstätigkeit wird dann illegal. Es wird auch keine Abwählung der derzeitigen Regierung geben, da dann sofort jede Kritik verboten sein wird. Das heißt, auch die Reden der Afd werden dann so, wie sie derzeit noch geführt werden können, nicht mehr stattfinden. Der Widerstand wird erlöschen. Sellner wird sich dann selbst ad absurdum geführt haben, das weiß er jetzt schon ganz genau, deshalb lacht er beim Reden noch fröhlich in die Kamera. Mehr Verarsche der Zuhörer geht nicht. Elsässer macht das weniger auffällig, der gehört aber auch dazu. Elsässer gehört zu den Leuten, die mit Scheinwiderstand viel Geld gemacht haben. Von diesen Gestalten gibt es sehr viele in Deutschland. Man sieht also, es geht denen nur ums Kohle machen. Deutschland ist diesen Leuten egal.

Ich klage an: Alle Nationalsozialisten, die durch dumpfe Parolen, durch ihre kaum versteckten 88-Aufrufe in jedweder Form oder durch andere eindeutige Auffälligkeiten erfolgreich (seit Gründung der NPD, mindestens) verhindert haben, daß sich die Bevölkerung einer nationalen Strömung überhaupt anschließen mag. Alle diese Nationalsozialisten haben dafür gesorgt, daß die jeweilige Bundesregierung erfolgreich vor dem „bösen Nazi“ warnen konnte und die Bevölkerung so darauf programmiert wurde, das „rechts“ böse ist und daß man nicht „rechts“ sein darf. Zu diesen Leuten zähle ich auch „verdeckte“ Nationalsozialisten wie den „Volksleerer“.

Ich klage an: Den Mittelstand. Die, die immer jammern, denen es aber noch gut geht. Den Jürgen-Fritz-Blog habe ich de-abbonniert, der gehört auch dazu. Breite Teile der AfD sind wirtschaftsliberal und die gehören auch dazu. Alles, was PRO Wirtschaft und Neoliberalismus ist, gehört zu den Deutschlandvernichtern. Alle diese Leute klage ich an.

Ihr alle, da draußen, gehört zur dummen deutschen Bevölkerung. Ihr macht insgesamt mindestens 80, wenn nicht mehr Prozent der deutschen Bevölkerung aus. Deutschtreu seid ihr nicht, seid ihr noch nie gewesen oder aber, das gilt für die Nationalsozialisten, ihr habt eurer Heimat mit eurem Auftreten einen Bärendienst erwiesen.

Ich klage euch deshalb an, weil ihr, die breite, verdummte Masse, für den Untergang Deutschlands verantwortlich seid. Nie war das offensichtlicher als zum heutigen Zeitpunkt, nach den Protesten der Gelbwesten in Frankreich, dem zeitgleichen mickrigen deutschen „Widerstand“ in Berlin, obwohl der Bundestag vorgestern beschlossen hatte, den Migrationspakt zu unterschreiben, und den Reaktionen bzw. „Warnungen“ im Netz vor den Gelbwesten, diese seien ja unterwandert. So reden nur Verräter oder aber Leute, die Angst haben.

video gelöscht von ytube …

Nach der Entscheidung des Bundestages, den Migrationspakt zu unterzeichnen, hätte die deutsche Bevölkerung zu Zigtausenden auf der Straße sein MÜSSEN. Aber es hat sie nicht interessiert.

(Anderes Beispiel Anonymous: Da ich davon ausgehe, daß Anonymous einen Auftrag zu erfüllen hat, und keine Angst hat, ist der Auftrag von Anonymous klar: Warnen und spalten. Das heißt, anonymous ist Scheinwiderstand.. In diese Gruppe gehören auch alle „Macht Liebe statt Krieg“-Esoterikseiten, die „ernsthaft warnen“, sich den Gelbwesten anzuschließen, da „so etwas ja dazu führen könnte, daß das System sich wehrt“. Also, Leute, immer schön weiter kuschen! Ihr seid schon lange mehr als auffällig! Dazu gehört auch die VGR („Volksgesprächsrunde“) samt Kanalbetreiber „Grindwal“. Ergänzung: es mag sein daß sich vermummte Antifa unter die Gelbwesten gemischt haben, um Stunk zu machen, das ist sogar sehr wahrscheinlich. Das war aber IMMER so! Wie wollt ihr das verhindern, ihr Zögerer und Zauderer, ihr Memmen, da draußen? Ihr könnt es nicht verhindern! Ihr verhindert bloß euch selbst weil ihr feige seid, Pfui Teufel, ihr solltet euch allesamt was schämen, aber Ehrgefühl habt ihr wahrscheinlich auch nicht mehr!)

Des weiteren seid ihr alle, ihr, die ich euch oben genannt habe, verantwortlich für den Tod aller Widerständler, aller Armen, und aller Nicht-systemkonformen Menschen, da ihr zusammen mindestens 80 Prozent der dummen Masse in Deutschland ausmacht.

Eure Dummheit ist hauptverantwortlich für den Untergang Deutschlands mitsamt seiner leider nur noch sehr geringen deutschtreuen Bevölkerung. Ihr habt die Macht, weil ihr in der Mehrheit seid, und eure Dummheit ist deshalb unser Untergang.

Als Nicht-systemkonformer Mensch kann man es jetzt nur machen wie damals Ernst Jünger:

Sich zurück ziehen. Denn euer Tun ist mitnichten noch länger zu ertragen.

Neue Heimat Kyffhäuser

Zum 20. Todestag von Ernst Jünger

Auch heute noch, zwanzig Jahre nach seinem Tod, ist es kein leichtes Unterfangen über Leben, Werk und Wirken des Jahrhundertschriftstellers zu schreiben. Zu widersprüchlich scheinen seine Worte und seine Taten zu sein, zu wechselhaft seine Gedanken und Sätze. Ernst Jünger, das ist der hochdekorierte Stoßtruppführer des ersten Weltkriegs, der radikale Nationalist der Zwischenkriegszeit, der innere Emigrant während des dritten Reiches und schließlich der kategoriensprengende Denker der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Es kann bereits am Anfang dieses Artikels gesagt werden, dass man keinesfalls eine befriedigende oder abschließende Betrachtung Jüngers – auch aus nationalrevolutionärer Perspektive – in diesem begrenzten Platz liefern kann, sondern allenfalls eine Annäherung. Wie soll man auch einen Soldaten, Schriftsteller und Denker, dessen Leben 103 Jahre währte, dessen Gesamtausgabe (wo nicht einmal alle Werke und Aufsätze drin enthalten sind!) nicht weniger als 23 dicke Bände füllt und der nicht nur zwei Weltkriege, sondern, die BRÖ mit eingerechnet, sechs deutsche Staaten gesehen hat, in einem einzigen Artikel gerecht werden?

Als ältestes von fünf Kindern 1895 geboren, erlebte Jünger noch die letzten Jahre des deutschen Kaiserreiches, welches ihn durchaus noch für den Rest seines Lebens prägen sollte. Der Weg des schlechten Schülers, aber begeisterten Lesers, sollte ihn zunächst in den Wandervogel und später durch die halbe Welt führen. Das Jünger vor allem ein „abenteuerliches Herz“, wie eines seiner Werke heißt, war, zeigte sich bereits 1913, als der grade 18 Jährige nach Frankreich entfloh und sich zur Fremdenlegion meldete. Einzig dem diplomatischen Geschick seines Vaters ist es geschuldet, dass sich Jünger als Kriegsfreiwilliger nach Ablegung seines Notabiturs 1914 in den ersten Weltkrieg auf deutscher Seite melden konnte und er nicht als Fremdenlegionär gegen das eigene Vaterland zu Felde ziehen musste. Mehr als 20 Jahre später beschrieb Jünger in seinen „Afrikanischen Spiele“ seine Zeit bei der Fremdenlegion. Bereits am ersten Kriegstag begann er mit dem Schreiben seines später weltberühmt werdenden Tagebuchs. Schonungslos und objektiv, und doch mit einer lebendigen Sprache und einer, wie er schrieb, „trunkenen Stimmung aus Rosen und Blut“ beschrieb er in seinem als „In Stahlgewittern“ veröffentlichtem Tagebuch seine Kriegserlebnisse. Der „ruhige Leutnant“ machte sich in vierjährigem Einsatz an der Westfront einen Namen, durchquerte alle bekannten westlichen Schlachtfelder des ersten Weltkriegs und ging mit fast stoischer Haltung durch „Feuer und Blut“, wie eines seiner weiteren Werke über den ersten Weltkrieg heißt. „Es entstand ein neuer Mensch, ein neuer Lebenswille. Ihn kennzeichnete die nervige Härte des Kämpfers, der Ausdruck der einsameren Verantwortung, der seelischen Verlassenheit. In diesem Ringen … bewährte sich sein Rang. Der Weg, den er ging, war schmal und gefährlich, aber es war ein Weg, der in die Zukunft führte … Der Anblick des Gegners bringt neben letztem Grauen auch Erlösung von schwerem, unerträglichem Druck. Das ist die Wollust des Blutes, die über dem Kriege hängt wie ein rotes Sturmsegel über schwarzer Galeere, an grenzenlosem Schwunge, nur dem Eros verwandt“, schrieb Jünger in seinem ersten literarischen Gehversuch. Den Krieg hatte, laut ihm, der deutsche Frontsoldat wie einen Wein genossen und war auch nach seinem Ende immer noch davon berauscht, ein Ausdruck, der sicherlich auf viele der entlassenen Soldaten und kommenden Freikorpskämpfer zutrifft. Für ihn gewann der Kampf neben der Zerstörung und des Todes auch eine metaphysische Bedeutung, wie er in „Der Kampf als inneres Erlebnis“ darzustellen versuchte. Für ihn war derjenige, der beim Krieg nur die Verneinung, nur das eigene Leiden und nicht die Bejahung empfunden habe, ein Sklave, der lediglich ein äußeres, aber kein inneres Erlebnis hatte.

Doch in den Stahlgewittern der Materialschlachten gewann er nicht nur seine Ansichten über Krieg und Frieden, sondern auch den Beginn seiner technikkritischen Anschauungen, die ihn sein Leben lang als einer der wenigen Kontinuitäten begleiten sollte. Die Materialschlachten, Artilleriegeschosse und Panzer reduzierten den Krieg zum Handwerk und den Krieger zu einem namen- und gesichtslosen Objekt. Die Ansichten, ob der Soldat doch über die Materie siegen kann oder ob diese ihn dominiert, schwankt immer wieder in seinen Werken und in denen seiner Zeitgenossen. Die vier Hauptwerke Jüngers über sein „Bruderschaftstrinken mit dem Tod“, „In Stahlgewittern“, „Feuer und Blut“, „Der Kampf als inneres Erlebnis“ und „Wäldchen 125“ zeugen nicht nur von diesen Gedanken, sondern gehören wohl auch zu den literarisch besten Beschreibungen der Erlebnisse des feldgrauen Soldaten des ersten Weltkriegs. Es ist eine Mischung aus Heldenmut, Eros, Sprachkraft, Tod und Leben, die ihm bei vielen Pazifisten bis heute in den Ruf eines Kriegstreibers bringt.

Oft hielt ein Fähnlein eherner Gesellen sich endlose Tage im Gewölk der Schlacht, verbissen in ein unbekanntes Stückchen Graben oder eine Reihe von Trichtern, wie sich Schiffbrüchige im Orkan an zertrümmerte Masten klammern. In ihrer Mitte hatte der Tod seine Feldherrnstandarte in den Boden gestoßen. Leichenfelder vor ihnen, von ihren Geschossen gemäht, neben und zwischen ihnen die Leichen der Kameraden, Tod selbst in ihren Augen, die seltsam starr in eingefallenen Gesichtern lagen, diesen Gesichtern, die an die grausige Realistik alter Kreuzigungsbilder erinnerten. Fast verschmachtet hockten sie in der Verwesung, die unerträglich wurde, wenn wieder einer der Eisenstürme den erstarrten Totentanz aufrührte und die mürben Körper hoch in die Lüfte schleuderte … Man zog ja über das Grausige hinweg mit genagelten Stiefeln, ehern und blutgewohnt. Und doch fühlte man, wie etwas um die verwaisten Kamine strich und einem den Hals zuschnürte, so eisig, daß man schlucken mußte. Man war ja ein Träger des Krieges, rücksichtslos und verwegen, hatte manchen umgelegt, über den man weitergeschritten war mit starken Gefühlen in der Brust. Doch dies war wie ein Kinderwimmern aus wilden Mooren, eine gespenstische Klage wie das Glockengeläut des versunkenen Vineta über Meer und Mittag. Gleich dem Untergang jener übermütigen Stadt spürte man das hoffnungslose Versinken einer Kultur, erschauernd vor der Erkenntnis, im Strudel mit hinabgerissen zu werden“, heißt es etwa im „Kampf als inneres Erlebnis“.

Selbst am Ende seines Lebens sollte er sich nie von diesen Darstellungen distanzieren, noch als Greis antwortete er französischen Journalisten, dass sein schrecklichstes Erlebnis im ersten Weltkrieg gewesen sei, dass Deutschland ihn verloren habe. Eine Aussage, die umso höher zu bewerten ist, wenn man bedenkt, dass der junge Stoßtruppführer vierzehn Verwundungen erlitt.

Mit Ende des Krieges begann auch der wohl bis heute umstrittenste Abschnitt seines Lebens. Während sich zahlreiche andere Soldaten zu den Freikorps meldete , diente der Kriegsheld zunächst in der Reichswehr. Zwar soll er, laut eigener Aussage, einmal eine kurze Zeit bei dem berühmten Freikorpsführer Roßbach gewesen sein, allerdings habe ihn die Landknechtartigkeit vieler Freikorpskämpfer abgeschreckt. In die folgenden Jahren folgen nicht nur seine zahlreichen Artikel in radikalnationalistischen Zeitschriften – zusammengefasst gibt es sie heutzutage als „Politische Publizistik“ zu erwerben – sondern auch seine Zeit als Bohemien. Neben literarische Studien, nationalistischen Büchern und Artikeln gab es auch Jüngers erste Drogenerfahrungen, die er in seiner Erzählung „Polnischer Karpfen“ behandelt. (Später sollten weitere Experimente, speziell zusammen mit dem Erfinder von LSD, folgen.) Jünger, so viel sei an dieser Stelle gesagt, ergab sich aber nicht dem in der Weimarer Schandrepublik propagierten Drogenkonsum zur Erhöhung der Lust und des Rausches wegen, sondern eher aus transzendenten Abenteuerlust. Während der Kampfzeit der Nationalisten gegen die Novemberverbrecher wurde Jünger einer der Wortführer des „Neuen Nationalismus“. Sätze wie „Der Tag, an dem der parlamentarische Staat unter unserem Zugriff zusammenstürzt, und an dem wir die nationale Diktatur ausrufen, wird unser höchster Festtag sein.“ begeisterten zahllose nationale Aktivisten. Doch grade auch seine nationalistische Zeit wirft neue Fragen in Mysterium Jüngers auf. War er auf der einen Seite radikaler Nationalist – die NSDAP lehnte er später u. A. deswegen ab, weil diese einen legalen Weg beschritt, er wollte die bewaffnete Revolution – und erklärter Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft, so führte er, während Hunderte Nationalisten im Straßenkampf ihr Leben ließen, selbst ein bürgerliches Leben. Noch 1926 sandte er Adolf Hitler sein Buch „Feuer und Blut“ mit der Widmung „Dem nationalen Führer Adolf Hitler“ und sprach sich in verschiedenen Beiträgen positiv über die NSDAP und den Nationalsozialismus aus. Erst die Entwicklung zur Massenpartei sowie eine wirtschaftspolitische Orientierung von Jünger an den Bolschewismus entfremdeten ihn der NSDAP, der er schließlich sogar vorwarf, verbürgerlicht zu sein. Als vermeintlich sein höchster Feiertag gekommen war und der parlamentarische Staat am 30. Januar 1933 zerbrach, stellte sich Jünger nicht der neuen nationalen Regierung zur Verfügung, sondern begab sich in die „innere Emigration“. Vom Nationalsozialismus trennte ihn zwar der Rassegedanke (den Jünger als materialistisch ablehnte) , auch war die NSDAP eine Massenpartei, während sich Jünger in einem, wie man es wohl heute aus unserer Sicht beurteilen kann, „Elitenwahn“ befand, dennoch waren die Übereinstimmungen zwischen dem dritten Reich und Jüngers nationaler Visionen weit größer als die Differenzen. Es wird wohl für immer ein Rätsel bleiben, wieso Jünger nicht wie andere seiner Zeit und einiger seiner engen Freunde – etwa Heidegger, Benn oder Schmitt – zumindest versuchte, die neue Zeit mitzugestalten, sondern sich von Beginn an abseits hielt. Unzweifelhaft war ihm der Totalitarismus des dritten Reiches nicht genehm, dennoch muss man wohl als Nationalist das Urteil ziehen, dass für Jünger mehr der Weg als das Erreichen des Ziels entscheidend gewesen war. Dazu kommt seine Ende der 20er-Jahre einsetzende Entwicklung weg von der politischen Publizistik hin zur reinen literarischen Betätigung. Allerdings sollte er eine gewisse nationale Einstellung sein Leben lang beibehalten, zwar nicht mehr in ihrer ursprünglichen Radikalität, aber dennoch vorhanden. So wie es über seine Tätigkeiten in der Novemberrepublik zahlreiche Vorwürfe von den späteren Kriegssiegern und liberalen Nachkriegsgenerationen gab, so gibt es über seine Zeit im dritten Reich und insbesondere im zweiten Weltkrieg solche von nationalistischer Seite. Jünger hielt auch während der Zeit der nationalsozialistischen Regierung Kontakt zu Staatsfeinden wie Ernst Niekisch, was ihn ins Visier der Polizei geraten ließ. Doch handelt es sich dabei nicht um einen im eigentlichen Sinne widerständigen Kontakt, Jünger hielt vielmehr den intellektuellen Austausch mit dem ihm befreundeten Niekisch. Später sollte er einen solchen auch mit dem französischen Faschisten und Kollaborateur Pierre Drieu la Rochelle, zu dem ihm ebenfalls eine Freundschaft verband, pflegen. Überhaupt muss Jünger mehr als Denker und Schriftsteller und weniger als politischer Mensch angesehen werden. Als solcher hatte er auch Kontakt zu dem Widerstandskreis des 20. Juli 1944, allerdings ohne sich an den Planungen zum Attentat auf Adolf Hitler zu beteiligen oder genaueres zu wissen. Zwar war Jünger ohne Zweifel ein Gegner des Krieges, in dem sein einziger Sohn fiel, politische Attentate lehnte er allerdings schon aus Prinzip ab. Er hatte sich in den Jahren seiner „inneren Emigration“ zunehmend zum Selbstbildnis seiner literarischen Gestalt des Anarchen bzw. des Waldgängers entwickelt, einer Person, die sich aus dem Laufe der Geschichte heraushält und versucht, seinen eigenen Weg abseits der großen Ereignisse zu gehen. Seine oft als Anti-NS Schrift beschriebenen Marmorklippen sind ebenfalls Teil dieser Entwicklung, die Marmorklippen sind aber eher als generell antitotalitäres Buch zu verstehen, als explizit gegen das dritte Reich gerichtet. Adolf Hitler selbst hielt die zwölf Jahre durchgehend persönlich seine schützende Hand über Jünger, mit dem er in der Kampfzeit noch signierte Bücher austauschte.

Nach dem 8. Mai 1945 erhielt Jünger über einige Jahre ein Publikationsverbot, bevor er sein literarisches Schaffen weiterführen konnte. Damit gelangen ihm nicht nur Bestseller, sondern sogar die Verleihung des Goethe-Preises, wobei zahlreiche linke und linksradikale Akteure der bundesrepublikanischen Kulturlandschaft gegen Jünger zu Felde zogen. Über Jahrzehnte zog sich die Diskussion um ihn und seine Werke, auch heute noch ist sie nicht abgeschlossen. Unabhängig von den Inhalten seiner Werke mussten aber die meisten Kulturkritiker die hohe literarische Qualität des wohl umstrittensten deutschen Autoren überhaupt würdigen.

Ein abschließendes Fazit zu Jünger wird sich wohl nie finden lassen: Abenteurer und doch verharrend in einem bürgerlichen Leben, radikaler Nationalist und doch Gegner des dritten Reiches, Kriegsheld und Denker, Schriftsteller und Philosoph, zu groß sind die Widersprüche und die Richtungswechsel, die Jünger eingeschlagen hat. Am ehesten lässt er sich wohl noch als romantischer Abenteurer beurteilen, er selbst gefiel sich in der Rolle des Seismografen, der die Ereignisse seiner Zeit beobachtet und schilderte, statt sie zu gestalten. Ob man ihn ablehnt – und wenn ja aus welchen Gründen – oder ob man sich von seinen Werken begeistern lässt, vor 20 Jahren starb unzweifelhaft einer der Großen der deutschen Kulturlandschaft.

Quelle: https://der-dritte-weg.info/2018/02/17/zum-20-todestag-von-ernst-juenger/

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