Warum die Aussage „Das ist Defätismus“ oft falsch ist

und warum ich dieses Wort nicht mag.

Wenn etwas wahr ist, so habe ich immer argumentiert, dann kann es nicht defätistisch sein. Gestern z.Bsp. stieß ich im Netz auf eine Meinung, die ich so, wie sie da stand, 1 zu 1 hätte unterschreiben können. Der Kommentar lautete in etwa sinngemäß:

„Schaut euch doch das deutsche Volk an, in welchem Zustand es ist. Mit 90 Prozent dieser Leute kann man nicht einmal eine Kirmesschlägerei gewinnen.“

Die Antwort darauf lautete: „Das ist Defätismus“. Derjenige begründete dann seine Antwort auch, was hier aber keine Rolle spielt. Er endete dann mit einem Mut machenden Ausspruch: „Kopf hoch!“

Kann nun etwas wahr sein und gleichzeitig Defätismus? Das ist hier die Frage.

Und was ist das überhaupt, Defätismus?

Defätismus wird definiert als „Zustand der Mutlosigkeit oder Schwarzseherei“. Wer so redet, schreibt, sieht keine Aussicht auf den Sieg (bei was auch immer). Quelle: Wikipedia. So weit, so klar.

Es handelt sich bei dieser Beschreibung um die Aussage über eine emotionale Bewertung. Wenn jemand sagt: Das ist defätistisch, ist das eine emotionale Bewertung eines Textes, einer Aussage, oder wasauchimmer. Unabhängig davon, ob dieser Text wahr ist, oder eben nicht.

So sehe ich das:

Ich schimpfe oft und gerne und ausgiebig über das deutsche Volk. Wahlweise benutze ich dann andere Worte wie „Bevölkerung“ (nicht so gut) oder „Menschen in diesem Land“ (schon besser), aber jeder weiß ja, was gemeint ist. Das kommt vermutlich bei meinen Lesern nicht gut an, weil es den Mut nimmt. Das ist der entscheidende Punkt.

Es ist ja wahr, was ich schreibe bezüglich der Unfähigkeit des deutschen Volkes, politische Dinge zu gestalten und/ oder zu verändern. Der Deutsche ist politisch schlicht dumm. Das ist Fakt, das ist wahr. Die Wahrheit geht mir über alles, sie ist das höchste Gut. Darüber hinaus wird wohl kaum einer bestreiten, daß das so ist (daß das deutsche Volk dumm gemacht wurde, ist jetzt nicht Thema, dazu gehören aber auch immer zwei). Aber das macht keinen Mut.

Denn – so habe ich immer gedacht,

Und so denke ich auch immer:

Es gibt ja auch die 10 Prozent, die anders drauf sind.

So denke ich immer. Bei allem, was ich sage, schreibe, mache, etc pp. Wenn irgendwas schlecht ist, denke ich automatisch an die andere Seite, die Alternative. Denn die gibt es immer. Nicht umsonst sagte Arwen immer dann, wenn Aragorn in „Herr der Ringe“ die Mutlosigkeit überkam (was übrigens ein normaler Prozess in einem längeren Kampf ist):

There is always a way.

Ich würde sogar noch hinzufügen: Es gibt immer mehr als einen Weg, es gibt immer Alternativen.

Diese bei mir gleichzeitig ablaufende Denkweise läuft natürlich nur in meinem Kopf ab So werden eben die 10 Prozent Andersdenkenden hier auf dem Blog nicht erwähnt. Ich schreibe nie über die 5 – 10 Prozent, die anders drauf sind. Weil ich einfach weiß, daß es die gibt. Und daß ihr Ding schon machen, wenn auch nicht unbedingt öffentlich, im Internet.

So denke ich über diese Dinge. Der Vorwurf, defätistisch zu sein, wurde mir sehr oft im Netz gemacht, ohne dabei diese Aspekte zu beachten. Natürlich fokussiert man aktive Handlungen auf die 10 Prozent Aufgewachten (Zahl fiktiv) und bespricht dies NICHT im Internet. Ich muß auch nicht alles wissen, ich will das auch gar nicht.

Daß es diese Zahl Aufgewachter (Aktiver) aber gibt, habe ich nie bestritten und ich muß diese Leute deshalb auch nicht immer wieder neu erwähnen. Ich muß auch nicht immer erwähnen, daß es immer einen Weg gibt, meistens sogar mehrere.

Wenn mal was Neues entsteht, wird dies mit hundertprozentiger Sicherheit deshalb entstehen, weil es diese Aufgewachten gibt.

Das kann gar nicht anders sein!

Endlich regnet es

Also zurück zum Wort „Defätismus“:

Ich würde also sagen: Irgend ein Text / Kommentar ist „Mut machend“ oder eben „nicht Mut machend“. Um das blöde Wort „Defätismus“ zu vermeiden. Ist ja auch kein deutsches Wort. Brauchen wir nicht.

Natürlich sollten politisch-gesellschaftliche Texte / Beiträge immer Mut machend sein. Wenn nicht, dann sollte sich der geneigte Leser dieses bitte selber denken. Wenn ich z.Bsp. von 90 Prozent Verdummten schreibe, schwingt da logischerweise mit, daß es auch 10 Prozent Andere gibt. So ist das bei mir, so denke und handele ich. Und für die Mutlosigkeit Anderer, die sich eben dadurch ausdrückt, daß sie im Internet andere mit Aussagen wie „das ist aber defätistisch“ „brandmarken“, bin ich nicht zuständig. Wenn jemand so eine Aussage tut, sagt das ja auch viel über ihn selbst. Dann ist derjenige nämlich selbst mutlos.

Ich war niemals mutlos. Ich war auch niemals defätistisch.

So weit erst mal.

KeineHeimatKyffhäuser

3 Gedanken zu “Warum die Aussage „Das ist Defätismus“ oft falsch ist

  1. latexdoctor

    „„Defätismus“ zu vermeiden. Ist ja auch kein deutsches Wort. Brauchen wir nicht“.

    DAs finde ich sehr gut, unsere SPrach ist nur deshalb so „schwer“ weil sie vielfältig ist und man eigentlich alles damit ausdrücken kann, abgesehen von dem dass erst in den letzten

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  2. latexdoctor

    Üps, aus versehen Return gedrückt ^^
    ~100 Jahren entdeckt / erfunden wurde, das wurd ja vom Entdekcer / Erfinder benannt, doch ansonsten haben wir für alles ein deutsches Wort und wenn Jemand eine neue Bakterie entdeckt, dann müssen wir sie ja nicht Bacillus nennen sondern könne auch sagen xxxx-erreger, so kann man es mit allem machen, leben wir unsere Voksseele, mit dem Wort, denn das ist (noch) erlaubt !

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    1. Ich kenne dieses Wort auch nur aus dem Bereich „3. Reich“, wo jeder, der ansatzweise Kritik am System übte, als Defätist und Zersetzer abgeurteilt wurde. Ähnlich wird es auch heute noch im Netz von „diesen Leuten“ gehandhabt: Jedwede Kritik ist nicht erlaubt, und das Benennen von Tatsachen auch nicht. Schon alleine deshalb ist das Wort irgendwie belastet.

      Man kann sagen, irgend etwas ist „Mut machend“ oder eben „nicht Mut machend“ (de-motivierend), das hängt aber immer von der Einstellung des Empfängers der Botschaft ab. Ich sehe immer die andere Seite einer de-motivierenden Aussage, aber wenn andere Menschen das nicht können, ist das nicht mein Problem.

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