Wer konform ist, hat Erfolg

„Der planvolle Eifer, zugunsten des eigenen Fortkommens so zu erscheinen, wie die anderen mich mutmaßlich gerne hätten, ist das zuverlässigste Zeichen der Systemfrömmigkeit eines Menschen – seiner moralischen Anspruchslosigkeit, seines Desinteresses an eigenen Wertungen und Haltungen. Woher stammt der ehrgeizige Konformismus unserer Industriegesellschaften?“

Aus diesem Artikel:

https://multipolar-magazin.de/artikel/das-ratsel-unserer-normalitat

Ich schreibe mal selber weiter meine Gedanken dazu:

Wer konform ist, das heißt, wer so ist wie die anderen ihn gerne hätten, hat beruflichen und anderen Erfolg. Jeder Mensch will heutzutage Erfolg haben, besonders die Jungen werden explizit auf dieses „Lebensziel“ gedrillt. Wenn sie die Schule verlassen, handelt es sich bei ihnen um normierte Zombies, die das tun, was von ihnen verlangt wird. Wetten, daß?

Wir waren da früher anders, vielleicht war der Gruppenzwang damals noch nicht so stark, ich weiß es nicht, wo die Unterschiede waren. Aber es war schon damals so, die Gruppe zwang zur Anpassung, wer etwas sagte, was der Gruppe nicht gefiel, fiel in Ungnade.

Auf die Ungnade der Gruppe folgte dann in der Regel der Rausschmiß, wenn man nicht zu Kreuze kroch. Ich habe dann irgendwann mal gemerkt, daß so ein Rausschmiß zu verkraften ist und ab da war es mir zunehmend egal, was mir als „Mehrheitsmeinung“ präsentiert wurde. In späterem Alter lernte ich dann, dieser Mehrheitsmeinung sogar eher zu mißtrauen. Heute kann ich dieses Mißtrauen durch meine eigene Lebenserfahrung belegen und, zusätzlich, durch gewisse „Hilfestellungen“, wie die Gaußsche Verteilungskurve, was die Intelligenz einer Bevölkerung angeht. Die Masse ist halt eher dumm. Kann man da lesen. Paßt schon.

Wenn man dann noch weitere Dinge gelernt hat, durch Lesen, ich habe schon früh als Kind viel gelesen, und dies hörte nie auf, nimmt man automatisch Abstand von gewissen Dingen, wie zum Beispiel Massenmedien. Früh gelesen habe ich Die verlorene Ehre der Katharina Blum, seitdem gab es bei mir keine solchen Schmierblättchen, wie sie im Buch beschrieben wurden, mehr. Mein Mißtrauen den Massenmedien gegenüber hat sich seitdem nur noch verstärkt.

Was den allgemeinen normalen Menschen gar nicht stört.

Sonnenaufgang, Kyffhäuserkreis

Deshalb denke ich, der normale Mensch begräbt seine Instinkte und sein Wissen, über das, von dem er weiß, daß es wahr ist, und passt sich der Masse an, um nicht aufzufallen. Normaler Herdentrieb, also. Anders ausgedrückt: Das Sicherheitsbedürfnis desjenigen, der sich der Masse anpaßt, ist größer als sein Bedürfnis, sich wahrheitsgemäß oder seiner eigene Moral entsprechend, zu verhalten. Was ich nie verstanden habe. Denn wenn man doch weiß, daß Unrecht geschieht, muß man doch auch was dagegen tun.

Der normale Mensch tut dies nicht. Er wägt erst ab: Betrifft mich das Unrecht überhaupt persönlich. Betrifft es ihn nicht persönlich, so tut er auch nichts. Das heißt: Solidariät kennt er nicht mehr. Oder aber er wägt ab, solidarisch ist er dann möglicherweise nur noch unter Familienmitgliedern oder eben diesen plus Arbeitskollegen und so weiter, alle anderen Menschen interessieren ihn eher weniger.

An der fehlenden Solidarität krankt mit Sicherheit unsere Gesellschaft, die ja von gewissen Strategen über die Jahrzehnte in zig Tausende Einzelinteressen-Gruppen gespalten wurde, um eben diese Menschen besser beherrschen zu können.

Wie ist das nun mit dem Erfolg?

Ja um Erfolg zu haben, muß man seinen lieben Mitmenschen in den Allerwertesten kriechen, um es mal etwas krasser auszudrücken. Man muß „schön Wetter“ machen. Nett sein. Jemanden „nette Dinge“ erzählen, weil dieser Jemand (oder viele „Jemands“) eben für einen Selbst dann Dinge tun würden, die dem eigenen Erfolg dienlich sind. Das heißt, um Erfolg zu haben, schleimt man sich so durchs Leben und verzichtet darauf, wahre Dinge zu sagen, denn: der Andere könnte einem das ja übel nehmen und dann wäre es vorbei mit dem Erfolg. Die Extremform von Erfolg heißt Korruption. (In hoch korrupten Gesellschaften wie der unseren bewegt sich deshalb nichts mehr, weil sich keiner mehr traut, die Wahrheit zu sagen. Das ist auf allen gesellschaftlichen Ebenen so, bis hoch in die Politik, da ist es am Schlimmsten.)

Einfach ausgedrückt: wenn man den Mitmenschen Wahrheiten sagt, ist man unten durch. Menschen mögen keine Wahrheiten, schon gar nicht über sie selber. Menschen mögen es, belogen zu werden, sie mögen es eben, wenn man ihnen „nette Dinge“ sagt, egal, ob diese Dinge stimmen, oder nicht. So ist das, probiert es aus. Ich kenne diese Mechanismen zur Genüge.

Das funktioniert natürlich auch in größerem Kontext. Als Bösewichte gingen früher nur noch (heute nicht mehr) die Klaus Kinskis durch, die dem Publikum schlimme Dinge sagen durften, ja, man erwartete es sogar von ihnen, ohne daß das Publikum deshalb wütend geworden wäre. So etwas wäre heute nicht mehr möglich. Wir leben in einer stromlinienförmigen, gleichgeschalteten Welt, in der die Wahrheit nicht erwünscht ist, was mich sehr betrübt, denn Wahrheit ist neben der Treue mein höchstes Gut. Allerdings stehe ich mit diesen Grundsätzen alleine auf weiter Flur. Zumindest erscheint mir das so.

Wahrheit bringt einem nur Feinde. Anstatt, daß die Menschen Ehrlichkeit schätzen, wünschen sie es, belogen und umgarnt zu werden. Das verstehe, wer will, ich nicht.

Was man in dieser verdrehten, seitens der Menschen kaputten Welt auch immer noch sieht, ist, daß man für die Gefühle der Anderen verantwortlich gemacht wird. Daran kann man sicher erkennen, auf welch infantilem Entwicklungsniveau sich die meisten Menschen befinden. Es wird über Emotionen manipuliert, was das Zeugs hält. Bei mir leider vergebens.

Erfolg hat also nur, wer möglichst viele von diesen herdentriebigen, auf Sicherheit und Belogenwerden Wert legenden Menschen für sich begeistern kann. Das kann ich nicht, bzw. ich lege auch keinen Wert darauf. Es soll ja sogar Seminare geben, in denen man so etwas lernen kann. Ich halte so ein Vorgehen (andere durch Schleimen überzeugen) für unehrlich und eines Menschen unwürdig. Na ja. Wir haben halt leider viele solcher Menschen, nicht umsonst nennt sich das heutige Zeitalter ja auch Kali Yuga. Das kann keiner ändern. Damit kann ich mich nur abfinden.

Ich würde aber sagen, in einer anderen, gesünderen Gesellschaft, als es unsere derzeitige Industriegesellschaft ist, könnte man auch wieder Mensch sein und mit anderen Menschen über Wahrheiten reden, anstatt nur aneinander vorbei zu schleimen, d.h. um des „lieben Friedens wegen“, Nichtkommunikation zu betreiben. Weiter gehend schließe ich, daß die Bedingungen „Industriegesellschaft“ und „Konformität“ zusammen gehören. Denn nur in so einer kranken, auf Profit und Erfolg und in Hierarchien funktionierenden Gesellschaft wird der Mensch zur Konformität und damit zum Leugnen seines eigenen Selbst quasi gezwungen.  Wer verzichtet denn schon gerne auf Erfolg und Beliebtheit?  Das kann ich sogar verstehen. War es doch schon öfter so, daß mir in dieser kranken Gesellschaft vorgeworfen wurde, „keinen Erfolg zu haben und unbeliebt zu sein“. Genau,Leute! Ihr bestätigt damit genau meine Aussagen. Ich schleime mich nirgendwo ein und bleibe ich selber.

KeineHeimatKyffhäuser

 

4 Gedanken zu “Wer konform ist, hat Erfolg

  1. nick.mott

    „Weiter gehend schließe ich, daß die Bedingungen „Industriegesellschaft“ und „Konformität“ zusammen gehören.“ – für mich die Schlüsselaussage!
    Weil Industrialisierung und überhaupt jede Form der Technisierung zwangsweise Normierung, Standardisierung, Nivellierung zur Voraussetzung hat!
    Was also nicht den Normen/Standard-Niveaus entspricht ist schlicht nicht kompatibel bzw. erzeugt Friktionen und damit Störungen des als reibungslos gedachten Ablaufes – was logischerweise unerwünscht, damit verhindert, damit ausgeschlossen werden muss.

    Umkehrschluss: De-Digitalisierung, A-Technisierung, Anti-Industrialisierung wo immer auch möglich als ‚Antidot‘ und Erlernen, Ertragen der grundsätzlich weil ausnahmslos faktisch gegebenen ‚Einsamkeit‘ jeglicher ‚modernen<' Psyche (denn deine Zahnschmerzen können nicht meine sein und es hilft dir kein Stück, wenn ich vrgeblich 'mitleidig' bin, weil deine Zahnschmerzen sich dadurch gerade mal null reduzieren lassen.

    Man ist ausnahmslos immer mit sich selber 'alleine', weil man ja auch der Einzige in seinem Kopf, Geist, Denken ist.
    Kommunikation darüber ersetzt den Verlust der ursprünglich mal vorhandenen 'Unbewusstheit' der faktischen Vereinzelung nur scheinbar, genau wie jede Form der Ablenkung davon (Tittytainment, Party, Drogen, 'Events' Bingen etc.).

    Mit sich allein sein zu können und das nicht nur zu ertragen, sondern in einen Vorteil zu verwandeln ist und sich allein auf sich selbst verlassen zu können, ist also ein Schlüssel zum 'Glück'.

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      1. nick.mott

        Akzent lag bei meinem Kommentar aber auf der ‚EDnt-Normierung‘ durch Eigenentzug, Enthaltsamkeit bezüglich digitaler Technik oder Technik generell.
        Und auf dem Gedanken, dass ‚Einsamkeit‘ der wahre Normalzustand sei, den man lernen sollte zu umarmen, um daran nicht zu verzweifeln. 🙂

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        1. Das mußt du mir nicht erzählen, ich bin, seitdem ich hier nach Thüringen gezogen bin, völlig alleine. Hier gibts auch nur Zombies, also die typischen Untertanen-Michel. Mit denen habe ich keine gemeinsamen Interessen, also kann auch kein Austausch stattfinden.
          Am Schlimmsten ist es mit der Musik/Kunst. Was ich mache, interessiert einfach keinen, weil ich keinem in den Arsch krieche. Das ist am Schlimmsten. Ich weiß ja, daß ich gut bin. Ist aber völlig überflüssig in dieser Dreckswelt.

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