Im Neoliberalismus (Kapitalismus) gibt es keine Freiwilligkeit

Aufbauend auf den Artikel vom fassadenkratzer: Wirtschaftlicher Profit und Volksidentität: klick

Im Kapitalismus gibt es keine Freiwilligkeit. Wie man derzeit (und schon seit längerem) nicht nur in Deutschland sehen kann, wird alles der Prämisse untergeordnet, „was etwas kostet“ oder „was etwas finanziell bringt“ oder „ob sich etwas rentiert“. Diese armselige engstirnige Denkweise ist aber typisch deutsch. Weil der Deutsche nur noch so denken kann, zerstört er, ohne zu merken, da er selbst längst kulturlos geworden ist, seine eigene gesamte Kultur und auch seine eigenen Landsleute, siehe Agenda 2010 (Laut Agenda 2010 sind Arbeitslose faule Schweine und alle selbst schuld an ihrem Schicksal, das ist offizielle deutsche Doktrin.)

Beispiel Künstlerdasein: Der Künstler wird daran gemessen, ob er „Erfolg“ hat. „Erfolg“ meint: Der Künstler ist möglichst schnell finanziell unabhängig. Ob er Quark produziert (man ist ja vielfach der Meinung, bildende Kunst müsse man nicht studieren, sondern man könne einfach so vor sich hin klecksen), ist egal. Also: Ob sein Erschaffenes Qualität hat, ist egal, das Einzige, was zählt, ist, ob er schnell finanziell unabhängig wird, bzw. er „Erfolg“ hat. Nur diese Tatsache macht einen Künstler laut des dummen Deutschen Meinung „gut“.

Dabei wird der Künstler, egal, welche Art von Kunst er nun betreibt, vom Deutschen besonders kritisch beäugt, schließlich ist der Deutsche ja der Meinung, daß Kunst immer brotlos sei (das haben ihm wohl seine Eltern x Generationen vorher schon eingebläut), und außerdem sind Künstler alles verwahrloste Gesellen, die „so in den Tag hineinleben, keine Disziplin haben und eh mehr oder weniger faul sind“. Sprich: Künstler haben in Deutschland keinen guten Ruf, sie stehen in der Rangskala der Berufe ganz unten, kurz vor den Journalisten und Politdarstellern. Ernsthafte Künstler gibt es überhaupt nicht, meint der Deutsche, das sind alles linke verwahrloste Hallodris. Und überhaupt, die sollen mal richtig arbeiten gehen, das bringt schließlich mehr als „brotlose Kunst“.

MERKE: Wenn der Deutsche von Erfolg redet, meint er immer finanziellen Erfolg. Eine künstlerische Entwicklung ist damit NICHT gemeint.

Dazu kommt nämlich noch ein zweites, nicht minder gewaltiges Problem: Durch die Verlotterung des Deutschen bezüglich seiner künstlerischen Bildung (wie es auch der fassadenkratzer im oben verlinkten Artikel gut beschreibt) weiß der Deutsche gar nicht mehr, was Kunst überhaupt ist. Bezüglich Musik, die ja auch zur Kunst gehört, sieht es nicht besser aus, da kann er auch nicht Gutes von Mist unterscheiden. Woher auch, er hat es ja nie gelernt. Er sollte es auch nie lernen, und darauf ist er heute stolz. Na ja wie das so ist bei Dummen, die nicht mehr merken, daß sie dumm sind.

Wie das Profitdenken mit der Volksidentität zusammenhängt, führt der Autor fassadenkratzer im obigen Artikel ja gut aus; wird alles im Leben und der Gesellschaft dem Gedanken unter geordnet, „ob es sich finanziell lohnt“, dann stirbt die Kunst, die Kultur und alles, was damit zusammenhängt. Nun macht aber Kunst und Kultur die Volksidentität aus. Daß die längst fehlt, ist dem Deutschen vielleicht schon irgendwo ansatzweise bewußt geworden, aber tiefer darüber nachdenken kann er nicht, weil ihm einfach das Wissen über die Hintergründe, weshalb das so ist, fehlt und auch weil er keinen Bock hat, oder auch keine Zeit, sich mit „so etwas“ auseinander zu setzen. Pah – wen interessiert schon Kunst und Kultur. Wir haben unsere Maloche, unser Bier, und unseren Fußball, das reicht uns, das sind schließlich die wichtigen Dinge im Leben!  Nichtdestotrotz muß für die fehlende eigene Identität (als Deutscher, als kulturelles deutsches Wesen) eine Art Ersatzidentität (von Mausfeld des öfteren gut beschrieben) her, und was könnte dafür besser geeignet sein als lohnabhängige Arbeit, mit der man viel Geld verdienen kann. Wer viel verdient, „ist was“, dh. er kann sich viel Mist kaufen, hauptsache, teuer. Besonders Autos und Häuser stehen hier hoch in des Deutschen Kurs, weil man damit besonders gut angeben kann, schließlich sieht jeder den aufgemotzen PS-Boliden bzw. das protzige überdimensionierte Haus und wird evt. neidisch? / ich nicht, ich bedauere solche Leute nur.

Eichenhain, Bärenstein

Nun sind die meisten Menschen lohnabhängig beschäftigt. Da sieht die Sache noch etwas anders aus. Man glaubt tatsächlich, daß es innerhalb der derzeitigen Gesellschaft eine Art „Freiwilligkeit“, was das Berufsleben angeht, gebe. Diese Freiwilligkeit mag es geben, aber nur bei denjenigen Leuten, die eh schon nicht arbeiten müssen, weil sie zu den oberen 10 000 gehören. In diesen Familien findet man dann die Dauerstudenten und sostigen Herumgammler. Der normale Arbeiter, also derjenige Mensch, der aus einer Arbeiterfamilie kommt, hat meist keine Wahl, er muß irgend etwas arbeiten, was etwas bringt.

Da ist er wieder, der Zwang. In solch eine Zwangsgesellschaft sind die Menschen millionenfach  hinein geboren worden, und sie passen sich ihr ohne zu murren, an.

Was stimmt mit diesen Menschen nicht?

Man muß das eigentlich nicht weiter ausführen. Egal ob „links“, oder „rechts“, die sind alle gleich krank, am Materialismus erkrankt, an ihrer Gier, nach dem Mehr, mehr, mehr, und ihrer dahinter steckenden Angst. Letztere sorgt für die Anpassung an den mainstream.

Das sind diejenigen Leute, die im Land sämtliche Veränderungen blockieren.

Ganz witzig finde ich es, wenn diese Leute einem einen von ihrer Freiheit erzählen, dabei sind sie nicht ansatzweise frei. Das verstehen die aber nicht. Ich habe es mehrfach versucht, auch intelligenten, angepaßten Leuten zu erklären, daß sie nicht frei sind; sie  haben es einfach nicht verstanden.

Diesen Fehler macht der fassadenkratzer am Schluß seines Artikels, er fordert zu einem grundlegend neuen Denken und Handeln in Deutschland auf, welches sich aber so, wie es derzeit ist, aufgrund der festsitzenden Strukturen vor allem im Bildungswesen, welches nur immer weiter neue angepaßte Systemlinge produziert, nicht mehr entwickeln kann.

Neue Heimat Kyffhäuser

 

3 Gedanken zu “Im Neoliberalismus (Kapitalismus) gibt es keine Freiwilligkeit

  1. Pholym

    Das Erlebnis mit der Diskussion um die Diskussion „Freiheit“ hatte ich auch schon mal mit einer „Hobby-Psychologin“ (die meinte, mehr darüber zu wissen als ich, der es mal gelernt hatte und praktisch anwenden durfte). Sie machte nicht mal ernsthaft den Ansatz, darüber nachzudenken oder andere Sichtweisen zu betrachten. Für sie war ihre Sichtweise die einzig richtige, weil es ihr gut ging, auch von der finanziellen Seite her.
    Nach wenigen Sätzen und als sie abfällig über andere sprach, war das Gespräch daher für mich schon vorbei. Es kam nur Müll aus dem Mund raus. Ich habe solche Unterhaltungen mittlerweile aufgegeben. Jeder sieht nur noch sich selbst. Narzissmus spielt da auch klar eine Rolle.
    Die Menschen sind mittlerweile so gefangen, dass sie ihre mögliche Freiheit nicht mehr erkennen. Sie erkennen ihr Gefangensein, ihre Abhängigkeiten auch von anderen mittlerweile als gewonnene Freiheiten an. Und was die Kunst angeht, haben wir mittlerweile genügend Abartigkeiten zum Beweis (mit Menstruationsblut Bilder malen z. B.).
    Das alles lässt sich nur noch mit Massen-Idiotie erklären.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich erlebe halt, daß man die anderen Sichtweisen zum Thema „Freiheit“ als Anpassung bezeichnet, oder als „Arrangement mit den Umständen“, was ja nichts anderes ist als freiwillig eingegangener Zwang.
      Daß die Menschen dann, wenn sie so reden, von Zwang reden, wird denen aber nicht mehr klar; sie empfinden diesen Zwang, dem sie unterliegen, als normal, deshalb ist es für sie kein Zwang mehr.

      Das ist eine klassische Umdeutung, vom als negativ zu bezeichnenden Wort „Zwang“ hin zum positiv empfundenen Wort „Anpassung“, die emotional als „normal““neutral“ bezeichnet wird, was sich zum Beispiel auch in Sätzen wie „man muß sich immer anpassen“ äußert.

      Nimmt man solche Sätze auseinander, und geht auf die Hintergründe, kommt man schnell dazu, daß – logischerweise – auch Menschen wie ich sich anpassen würden, wenn denn die Gesellschaft dementsprechend anders wäre. Sich an eine kranke Gesellschaft anzupassen, das kann nur eine verbogene Psyche.

      Es ist ja nicht, als ob ich, andere, die so denken, wie ich, oder Du, als Beispiel, gegen Alles und Jeden wären; nein, wir wissen schon, was wir wollen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen.

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