Renten steigen – aber nicht für Grundsicherungsempfänger

Die Renten sollen steigen: Im Westen um 3,22 Prozent und im Osten um 3, 37 Prozent.

Aber nicht für Grundsicherungsempfänger. Grundsicherungsempfänger bekommen jede Rentenerhöhung von ihrer Grundsicherung abgezogen. Es handelt sich also bei solch einer Rentenerhöhung um die schleichende Entlastung der Kommunen, die die Grundsicherung bezahlen.

68e

Eigentlich handelt es sich bei dieser „Rentenerhöhung“ nur um einen großen Geld-Verschiebebahnhof. Denn die „Rentenkassen“  werden eh vom „Bund“ unterstützt.  Andererseits hat man sich all die Jahre großzügig aus den Rentenkassen bedient, wenn „Geldmangel“ auftrat. Man kann also davon ausgehen, daß solche Meldungen nur Medieninszenierung sind.

Was die Prozente sollen, verstehe ich auch nicht. Durch Prozentrechnungen werden Reiche nur noch reicher und die Schere arm/reich klafft immer weiter auf.

Quelle: https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/bundeskabinett-beschliesst-rentenerhoehung-a2409586.html

Jeder Dritte hat nicht mal 1000 Euro verfügbar

[Ich auch nicht.]

Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/?p=43634#more-43634

Ergänzungen zum Text wie immer in Eck-Klammern.

Beginn Artikel:
„Es muss bloß das Auto oder die Waschmaschine kaputtgehen, und etwa jeder dritte Deutsche stößt an seine finanziellen Grenzen. Materielle Not zieht sich nach offiziellen Zahlen weit durch die Gesellschaft. [Auto? Konnte ich mir noch nie leisten. Waschmaschine hält zum Glück noch. Im Moment bin ich froh, wenn alle größeren Geräte noch halten, obwohl sie alle sehr alt sind. Meine Waschmaschine stammt noch von meiner Mutter; damals hat man noch Qualität her gestellt. Aber sarkastisch-witzig finde ich es, daß man „Wohlstand“ am Besitz eines Autos festmacht.]
Fast jeder dritte Bundesbürger im Alter ab 16 Jahren ist nach einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ von materieller Entbehrung betroffen. Demnach konnten sich im Jahr 2016 gut 31 Prozent dieser Altersgruppe in Deutschland keine unerwarteten Ausgaben in Höhe von 985 Euro leisten. [Solch eine hohe Summe habe ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr besessen.]
Das waren 21,3 Millionen Menschen, schreibt das Blatt unter Berufung auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes. Der Geldbetrag entspricht dem seinerzeit statistisch maßgeblichen Schwellenwert bei der Armutsgefährdung in Deutschland. Er wird regelmäßig neu berechnet.
Sparen bei Essen und Urlaub
Fast 4,9 Millionen Personen mussten darüber hinaus wegen ihrer bescheiden materiellen Lage beim Essen sparen. Sie konnten sich allenfalls nur jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten.[Da ich fast alles für Frischkost ausgebe und auch aufgrund meiner Allergie- und Unverträglichkeitssituation auch ausgeben muß, esse ich natürlich regelmäßig „vollwertig“, dafür sind meine anderen Sachen das, was man „unter aller Sau“, nennt, so gibt es zb. kein Geld für Friseur, Reinung von Kleidung, und Kleidung wird auch immer mehrfach geflickt. Es gibt auch kein Geld zum „wegfahren“ und ebenso keines für „eine Café unterwegs“ oder sonstige Vergnügungen wie Kneipe, Kino, Konzert oder dergleichen – ist alles zu teuer.]
12,8 Millionen Bundesbürger sahen sich nicht in der Lage, einen einwöchigen Urlaub außerhalb ihres Zuhauses zu finanzieren. Das war fast jede fünfte Person im Alter ab 16 Jahren. Kommen mehrere Probleme dieser Art in einem Haushalt zusammen, sprechen die Statistiker von „erheblichen materiellen Entbehrungen“. [Urlaub ist Luxus. Sagt der Gesetzgeber, der die niedrigen HartzVier- bzw. Grundsicherungssätze gestaltet hat.]
„Armut ist in Deutschland kein Randphänomen, sondern zieht sich quer durch die Bevölkerung“, zitiert die Zeitung die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann. Sie hatte die Daten angefordert. Die Bundesregierung müsse endlich ein umfassendes Konzept zur Armutsbekämpfung vorlegen, forderte die Sozialexpertin.“ Zitat Ende

11e

Da fehlt natürlich die Hälfte, das hat diese „Sozialexpertin“ nicht auf dem Schirm: Krankheitskosten. Die Krankheitskosten wären bei mir enorm, würde ich denn meine gesammelten Nährstoffmängel beheben. Behebung des Nährstoffmangels würde meine Krankheitssymptome erheblich verbessern, wenn nicht sogar, beseitigen. Dies geht aber nicht, da ich kein Geld dazu habe. Krankenkassen bezahlen keinen chronischen Nährstoffmangel. Dies wurde am Beispiel HPU hier:  https://teutoburgswaelder.wordpress.com/2018/04/08/hpu-petition/   beschrieben.

So muß ich halt mit chronischer Krankheit, Schmerz und Erschöpfung leben. Hilfe gibt es keine. Es geht immer weiter abwärts. Taten mir vor 2 Jahren nur hier und da mal ein Gelenk weh, was durchaus auch ohne Schmerztabletten aushaltbar war, habe ich heute Dauerschmerzen in den Händen, Daumen-Großgrundgelenken, in den Iliosakralgelenken in der Wirbelsäule. Dazu kommen dann immer häufiger Kniegelenksschmerzen. Konnte ich vor 2 Jahren noch ab und zu 5-6 Stunden unterwegs sein, geht das heute nicht mehr vor Schmerzen und Erschöpfung. So schreitet die Krankheit fort, weil keiner einschreitet. Ich kann das nicht, mir fehlen dazu die finanziellen Mittel. Gestern, vor der Gewitterfront, war es besonders schlimm. Ärzte interessiert das Thema nicht. Es gäbe zwar für Fibromyalgie und CFS eine Behandlung bzw. Behandlungsversuche, aber halt nur für Leute mit richtig dick Asche in der Tasche.

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Jenseits des Wachstums – Krieg gegen die Natur

Wie kann eine nachhaltige Zukunft ohne kapitalistischen Wachstumswahnsinn aussehen, eine Zukunft, die nicht (wie die derzeitige Entwicklung), lebenswert ist? Dies führt Fabian Scheidler im Video: „Der Krieg gegen die Natur“, im Einzelnen aus. Die Stichpunkte einzeln aufgeführt:

Werte / Imagination => andere Leitbilder

Weniger ist mehr => Mehr Lebensqualität mit weniger Konsum

Zeitwohlstand, zb. Zeit für Freunde, Kinder, Kultur und so weiter, zu haben

Anders arbeiten (Von der Lohnarbeits- zur Tätigkeitsgesellschaft), => Arbeit fair teilen, Mindestlohn, Grundeinkommen

Internalisierung externer Kosten => externe Kosten, wie zb. die wirklichen Kosten, die bei der Produktion eines Iphone in Indien entstehen, die Umweltkosten, die Kosten der Arbeitsbedingungen der produzierenden Menschen, die Gesundheitskosten, die diesen Menschen dadurch entstehen, etc pp, wirklich auch in den eigentlichen Preis des Produkts Iphone einfließen. Anders ausgedrückt, die Dinger sind zwar teuer, aber im Vergleich zu den Schäden, die ihre Produktion verursacht, viel zu billig.

Stopp der Subventionierung fossiler Energien und schädlicher Industrien =>  national, aber auch Weltbank, etc

Moderatorium für neue Kohlekraftwerke

Fossile Energieträger im Boden lassen, zb. Ecuador-Initiative (Öl im Boden lassen)

Alternative Mobilitätsstrukturen => Bahn, ÖPNV, car sharing, Fahrrad massiv fördern und attraktiver machen

Regionalisierung / De-Globalisierung, Walden Bello

Ausstieg aus dem Dogma unbegrenzte Handelsliberalisierung und Standortkonkurrenz (WTO/EU), Fair trade statt free trade

Dezentrale Energieversorgung mit EE, leap frogging im Süden, große Potentiale für regionale Entwicklung

Recht auf Teilhabe stärken statt Fokussierung auf Mehrung des Geldeinkommens durch BIP-Wachstum (Primat der Menschenrechte)

Verteilungsfrage: Wenn der Kuchen insgesamt nicht mehr wächst, oder gar schrumpft, muß anders verteilt werden. Stichworte: Steuerpolitik, solidarische Finanzierung sozialer Sicherung

Soziale und ökologische Frage müssen zusammen gedacht werden

Verteidigung und Rückeroberung öffentlicher Güter

Echte Demokratie statt Ökonomisierung => dem großen Wachstum werden bisher ALLE erdenklichen menschlichen Ziele untergeordnet. Wenn wir eine andere Gesellschaft haben wollen, brauchen wir andere Ziele menschlicher Entwicklung. Menschliche Ziele müssen neu von UNS definiert werden und gegenüber denen durch gesetzt werden, die dies nicht wollen, bzw. diese Ziele ihrem eigenen Dogma, Wachstum, permanent und mehr oder weniger rücksichtslos, unterordnen.

 

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Das Trauma der Erziehung und sein Gehorsam

Angesichts des sehr guten Tageskommentars von Rüdiger Lenz bei KenFM nun dieser Artikel.

Kommentar von sieh megena erfasst das Thema meines Erachtens im Kern:

„Stockholm-Syndrom entsteht dadurch meiner Meinung nach beim Kind. Durch Zuckerbrot und Peitsche oder Intermittent Reinforcement wird angefangen den Täter zu schützen, um sein eigenes (unter anderem emotionales) Überleben zu sichern. Deshalb wollen so viele nicht einsehen, auf wie viele Art und Weisen sie verarscht werden. Mama, Papa oder beide bleiben heilig auf ihrem Thron, über Negatives darf nicht gesprochen werden. Weil „um Gottes willen, was macht das dann mit meiner Realität!“-Panik aufkommt. Auch die Regierung baut zwar scheiße, aber niemaaaals würden sie so weit gehen, false-flag-operationen durchzuführen! Klar in anderen Ländern führen wir Krieg mit Toten aber in unseren Ländern doch nicht! (schöne kognitive Dissonanz). Die meisten sind halt doch noch das verängstigte Kind von damals im Körper eines Erwachsenen. Der Schmerz von damals wird weiterhin schön verdrängt und damit geht leider auch die Empathie für Mitmenschen flöten. Missbrauch wird normal.“ ZITAT ENDE

=> das ist der Kern. Ein Kind kann nicht Mama oder Papa kritisieren, ein Kind liebt, solange nichts wirklich absolut Schlimmes passiert, seine Eltern bedingungslos, ein Kind begreift nur, da ist was falsch, wenn es entsprechend behandelt wird, es muß aber trotzdem gleichzeitig seine Eltern lieben. Deshalb wird der traumatische Inhalt, der dem Kind eigentlich begreiflich machen müßte: Deine Eltern lieben dich nicht, ausgeblendet.

Dieses unaufgelöste Trauma projiziert der Schein-Erwachsene, seelisch aber auf Kindheitsniveau stehen gebliebene „Deutsche“ auf alles mögliche, vorzugsweise auf „Führer“ oder sonstige Personen, die er „wählt“ und die dann für ihn den Karren aus dem Dreck ziehen sollen. Der „Karren“, das ist der Karren von Schuld und eigenverantwortlichem Handeln. Auch im Kollektiv.  –  Selbst ist der „Deutsche“ nicht fähig, zu erkennen, was läuft, weil er kollektiv traumatisiert ist. Solche Massen sind natürlich sehr leicht verführbar bzw. führbar und das ist auch so gewollt.

Zum Video:  https://www.youtube.com/watch?v=MQR7KUuUUDI&t=1s

 

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Es fehlt Bewußtheit

Die Menschen sind sich ihrer selbst nicht bewußt, schrieb ich unter einem Video von Wolfgang Brehm; die Menschen tun das, was alle tun (Herdentrieb).

Gewalt ist normal für „Deutsche“, sie erkennen gar nicht mehr, was Gewalt ist, sie haben sich dran gewöhnt. Sie sind – geschichtlich – seit Generationen Opfer, aber Opfer bleiben niemals Opfer, denn der Opfer-Zustand ist unerträglich, ergo wird das Opfer alles tun, um aus dem Opfer-Dasein zu entkommen.
Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: 1. es wird zum Täter, es dreht die Gewalt, die es erfahren mußte, einfach um. Das ist der einfache Weg. Den die „Deutschen“ gehen seit Jahrzehnten.
2. Aufarbeitung. Das ist der schwere Weg. Als Individuum ist dieser Weg schon sehr mühselig, als Masse von Menschen (Bevölkerung eines Landes, in diesem Fall) nicht möglich. Weil die Täter innerhalb der „Deutschen“ Bevölkerung die anderen, die vielleicht etwas anderes wollen, gar nicht „zu Wort“ kommen lassen. Die Täter ziehen die Masse mit in den Abgrund. Täter sein ist sexy. Man kann Parolen brüllen, unbeweisbare Behauptungen aufstellen, man ist Alpha-Tier. Führungsmenschen lieben die „Deutschen“. Sie folgen bedingungslos.

Täter = Alpha-Menschen=Führer. Diese Gleichung  läßt sich beliebig umdrehen.

Dazu: https://www.youtube.com/watch?v=1bFfH2bKAvI

Dr. Maaz: Wie der Mensch zum Mitläufer wird.

Mitläufer sein ist normal, aber krank. Es ist des „Deutschen“ perfekte Lebensform. Es ist die perfekte Lebensform für feige, psychisch kranke Menschen, die nicht mehr wissen, was gut und böse ist und die längst, jahrelang durch Selbstaufgabe innerlich verrottet, zu Tätern geworden sind.  Alleine dadurch, daß sie zum Unrecht schweigen. Aus Angst. Nichtstun macht Menschen zu Tätern.

Aber wen interessiert schon, daß er ein falsches Leben führt, „Deutsche“ schon mal gar nicht. Die „machen einfach so weiter, wie bisher“. Sie können auch nur das. Deshalb wird dieses „immer weiter so“, welches in seiner Kernaussage nichts anderes bedeutet als der Kanzlerin beliebter Satz: „Wir schaffen das“, in den Untergang führen.

So referiert Wolfgang Brehm im oben erwähnten Video auch, „wir würden nicht artgerecht gehalten“. Ja, was ist das denn für eine Aussage. Wir sind Menschen, und keine Hunde, und nicht vergleichbar mit Tieren; Menschen sollten zumindest dahin gehend eine Art (ich nenne es mal so) höheres Bewußtsein haben, mit dem sie fähig sind, strukturelle Probleme zu erkennen und zu verändern. Ein Hund kann das nicht. Ein Hund ist ein bedingungsloses Rudeltier. Aber ein höher entwickelter Mensch kann das. Oder zumindest sollte er es können. Wenn ich mich so umsehe, bin ich allerdings der Meinung, 90 Prozent der Menschen können dies nicht (mehr). (Habe den Brehm nicht zu Ende gesehen, das war ein schwaches Video, so sehr ich Wolfgangs Videos auch schätze, muß das hier gesagt werden.)

Der Mensch hat ein Bewußtsein und das unterscheidet ihn vom Tier!

Bitte mal über das Wort Bewußtheit nachdenken. Falls möglich. Danke. Grundvoraussetzung zum Denken ist allerdings, daß man die typisch deutsche Unart, irgendwo einen Schuldigen zu suchen und zu finden, unterläßt.

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Arme sind in diesem Land wertlos – Teil 2

https://www.nachdenkseiten.de/?p=43343#more-43343

[Ergänzungen von mir wie immer in Eckklammern.]

Beginn Artikel, zweiter Teil:
„Wie erklären Sie sich, dass die Parteien, die teilweise ja auch ein „C“ für christlich in ihrem Namen haben, so wenig tun, um wirklich gegen Armut vorzugehen?

Dem „C“ oder dem „S“ in ihrem Namen werden diese Parteien nicht gerecht. Da ist der Papst noch progressiver als unsere Parteien. Ich denke, das fehlende Verständnis der Politik gegenüber den von Einkommensarmut betroffenen Menschen hat auch mit der sozialen Zusammensetzung im Parlament zu tun. Wir hatten noch nie so viele Politiker im Parlament, die aus der Oberschicht oder oberen Mittelschicht kommen, wie jetzt. Da sind ganz viele Politiker, die eben ihre Politiker-Karriere vorweisen können, aber nie richtig gearbeitet haben.

Womit wir wieder bei Spahn wären.

Ja, der ist wohl ein gutes Beispiel für diesen Typ des Politikers, obwohl ich seine Biographie nicht wirklich kenne. Das Schlimme ist, dass Politiker ja eine hohe Verantwortung haben, aber, und ich komme nochmal auf das zurück, was Spahn gesagt hat, dieser Verantwortung, wenn sie so eine Aussage wie er tätigen, einfach nicht gerecht werden. Von einem Profi-Politiker erwarte ich, dass er das, was er sagt, gut überlegt.

Vielleicht hat Spahn ja auch gut überlegt.

Das kann natürlich sein. Womit wir bei einer weiteren Kritik sind, die ich anzubringen habe. Wir sehen gerade, wie die CSU versucht, rechts Stimmen zu gewinnen. Aber wir wissen aus der Geschichte, dass das der falsche Weg ist. Die Parteien dürfen keinen Schritt, keinen Millimeter Richtung rechts gehen. Sie müssen klare Kante zeigen und müssen sich klar zur AfD abgrenzen. Die AfD macht überhaupt nichts für arme Menschen.

Sie suggeriert es aber.

Ja, aber wenn man in das Parteiprogramm schaut, findet sich nichts in Sachen Armutsbekämpfung. Dass aber von anderen, den etablierten Parteien Leistungen unseres Staates in Frage gestellt werden, besonders Beziehern von Arbeitslosengeld II und Sozialhilfe wie auch geflüchteten Menschen gegenüber, und sie damit diskriminieren und negativ darstellen, ist immer wieder der Versuch, Stimmen von rechts zu bekommen. Das ist falsch, das ist fatal und das wird letztlich den Rechtspopulismus noch stärken.

Sie kennen bestimmt den Aufsatz „Empört Euch“ von Stephane Hessel. Er fordert darin, Europa solle sich auf seine grundlegenden Werte besinnen, also auf Humanität und auf die Menschenrechte. Das ist die Basis. Hessel bringt es, meines Erachtens, sehr eindrucksvoll auf den Punkt, indem er schreibt: „Leistet Widerstand (Anmerkung: einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft gegenüber) und schafft Neues, schafft Neues und leistet Widerstand.“. Das, was ich hier tue, mit meinem Verein, das ist auch etwas Neues, aber ich möchte damit auch Widerstand leisten, Widerstand gegen diesen Trend in unserer Gesellschaft, dass unser soziales Netz immer grobmaschiger wird, dass immer mehr auf sozial benachteiligte Menschen herabgesehen wird. Das heißt, es geht darum, nicht nur zu reden, sondern etwas zu tun und dabei aber auch bestimmte Strukturen in Frage zu stellen, die nämlich verantwortlich sind für Armut.

Meine langjährige Erfahrung als Arzt, als Sozialarbeiter, als Mensch im In- und Ausland tätig, hat mir immer wieder gezeigt, dass in Afrika von Armut betroffene Menschen physisch verhungern, in Europa verhungern sie psychisch, weil sie als wertlos betrachtet werden. Ich habe es ja schon angesprochen: Von Einkommensarmut Betroffenen wird suggeriert, dass sie wertlos sind, weil sie angeblich keine Leistungsträger sind. Aber was macht denn Leistung aus? Was ist das für eine enorme Leistung, wenn eine alleinstehende Mutter ihr Kind großzieht! [Er verweist, für meinen Geschmack, etwas sehr häufig auf der „alleinstehenden Mutter mit Kind“ herum. Für mich sind alle Armen wertvoll, nicht nur die mit Nachwuchs.]

Das wird überhaupt nicht honoriert.

Nein, wird es auch nicht. Und diese fehlende Anerkennung setzt den armen Menschen schwer zu. Irgendwann haben sie diese Suggestion, wonach sie nichts wert sind, verinnerlicht. Irgendwann glauben sie tatsächlich, sie können nichts, sind für nichts gut usw. Wenn dann auch noch ein bekannter Politiker entsprechende Worte äußert, dann hat das eine zusätzlich stigmatisierende Wirkung.

Und irgendwann landen die Menschen dann bei Ihnen oder bei den Tafeln?

Ja, aber das kann doch nicht sein. Wir wollen doch keine Armutsmedizin etablieren.[Es gibt längst eine Armutsmedizin.]  Wir, d.h. unser Verein ist da, weil der Staat versagt. Deshalb machen wir, was wir machen. Wenn wir über uns selbst und unsere Arbeit nachdenken, dann kommen wir immer wieder zu diesem Ergebnis, dass auch wir, mit unserer Arbeit, zur Aussonderung beitragen. Wir helfen zwar Menschen, aber unsere Hilfe zeigt zugleich auf, dass diese Menschen von anderen getrennt sind. Das dürfte nicht sein.

Es ist nicht anders als bei den Tafeln. So gut ich es finde, dass Lebensmittel nicht weggeworfen werden und Bedürftigen geholfen wird, aber alleine durch die Existenz der Tafeln manifestiert sich eine Aussonderung. Ohne auch nur ansatzweise zu erkennen, was es überhaupt bedeutet, dass in einem reichen Land wie Deutschland Tafeln existieren, stellen sich Politiker hin und sagen: Es funktioniert doch. Es gibt die Tafeln. Es gibt die niedrigschwelligen Gesundheitsversorger. Der Herr Trabert macht das hier bei uns in Mainz. Alles ist prima. Nein, das ist es eben nicht.

Ich habe es schon einige Male erlebt, dass die Jobcenter Menschen zu mir geschickt haben und ihnen dabei mit auf den Weg gegeben haben: Sie haben keine Krankenversicherung? Kein Problem. Gehen Sie zu Doktor Trabert, da bekommen Sie die Medikamente umsonst. Natürlich ist dies absolut inakzeptabel. Ich habe daraufhin den Leiter des Jobcenters angerufen und ihm gesagt, wenn noch einmal das Jobcenter einen Menschen zu mir schickt, dann lege ich eine Beschwerde ein und werde damit an die Öffentlichkeit gehen. Es ist die Aufgabe der Jobcenter, Menschen in eine Krankenversicherung zu vermitteln, eine Verankerung im regulären Sozialversicherungssystem herzustellen.

Die Situation ist also die, dass Sie als Arzt, der Arme medizinisch versorgt, auch noch die Rolle des Anwaltes übernehmen, weil die Ämter bisweilen eine eigenwillige Rechtsauffassung haben?

Das ist wirklich so. Wir haben mittlerweile auch intensiven Kontakt zu Juristen mit unserem Verein und wenn die Patienten das möchten, helfen wir ihnen auch und prozessieren. Bisher haben wir nahezu jeden Prozess auch gewonnen.

Im Gespräch mit den Patienten zeigt sich immer wieder, dass sie auch mit Rechtsverstößen der Ämter und Behörden zu kämpfen haben. Wenn gerade unsere Sozialarbeiterinnen mit den Betroffenen ins Gespräch kommen, stellen wir oft fest, dass die Menschen zutiefst verunsichert sind und Angst davor haben, sich zu wehren oder eben einfach gar nicht Bescheid wissen, was rechtens ist und was nicht. Es geht ja nicht darum, vom guten Willen eines Sachbearbeiters abhängig zu sein, den Betroffenen werden ihnen zustehende Rechte verweigert. [Im Prinzip ist das aber so, der Betroffene ist vom Sachbearbeiter abhängig. Ein schlecht gelauter SB oder einer, der einen plötzlich „auf dem Kieker hat“ – das habe ich selbst erlebt – kann einen sehr wohl zusätzlich extrem stressen, bis hin zur massiven Angst vor „Leistungsverlust“ und damit Wohnraumverlust bzw. Obdachlosigkeit.]

Vor einiger Zeit hatte ich eine kleine Diskussion mit einem Pfarrer zum Thema Armut. Er sagte mir, er sei kein Freund davon, die Regelsätze zu erhöhen. Der Grund: Die Gefahr sei groß, dass das Geld für nicht notwendige Konsumartikel ausgegeben werde. Für ihn war das Thema Bildung zentral. Nur über Bildung ließe sich Armut überwinden. Was halten Sie von diesen Aussagen?

Bildung im Zusammenhang mit Armut ist ein Lieblingsthema, gerade innerhalb neoliberaler Strömungen.

Die Aussage, bist Du gut gebildet, dann bist Du nicht von Armut betroffen, ist absoluter Unsinn. Die OECD bestätigt immer wieder: In keinem Land ist die Bildungskarriere so vom Sozialstatus der Eltern abhängig wie in Deutschland. Das heißt: Intelligente Kinder von sozial benachteiligten Familien haben schlechtere Chancen. Aber das ist nur das Eine. Hinzu kommt nämlich auch: Wenn ein intelligentes Kind in einem armen Haushalt lebt, in dem die Eltern Transferleistungen beziehen, dann nützen die besten Bildungsangebote nichts, da das Kind durch den Hartz-IV-Satz und das bürokratische Monster des Bildungspaketes Grundlegendes, um sich überhaupt Bildung aneignen zu können, nicht anschaffen kann. Für Nachhilfe, die die Mehrheit der Kinder mittlerweile von den Eltern finanziert bekommt, gibt es überhaupt keine finanziellen Ressourcen. Und als Mediziner sage ich zudem: Um den kognitiven Leistungsanforderungen in der Schule entsprechen zu können, gehört auch eine entsprechende Ernährung, die der Regelsatz ebenfalls nicht ermöglicht. [Als ich Kind war, gab es noch keine „Transferleistungen, aber meine Eltern waren einfache, arme Arbeiter. Da ging so vieles nicht, was Kinder heute bekommen. Was auch  nicht ging, war, eine gute schulische Ausbildung.]

Ich erinnere an das, was der Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya K. Sen in diesem Zusammenhang gesagt hat. Er sprach von capabillities, also von Verwirklichungschancen. Eine freie Gesellschaft, sagt er, muss dafür sorgen, dass die Menschen in ihr das, was sie an Bildungskompetenz erworben haben, auch in die Realität umsetzen können. Nehmen wir mal folgenden Vergleich: Niemand würde sagen, Frauen sind dümmer als Männer. Aber warum sind dann nur sechs Prozent der Frauen in der Führungsschicht von Unternehmen zu finden?

Capabillities!

Ja, die Gründe liegen in patriarchalisch geprägten Machtstrukturen in unserer Gesellschaft.

Das ist ziemlich leicht zu erkennen: Die Strukturen in unserer Gesellschaft sind gegen Frauen gerichtet.

Und genau so ist es bei den Armen. Nur wird das von der Politik und von vielen anderen verleugnet.

Die Armen können also das, was sie an Talenten, Wissen und Fähigkeiten haben, nicht richtig einsetzen, weil es, ganz simpel, an den notwendigen ökonomischen Mitteln fehlt.

Natürlich, ohne Geld fehlen ihnen wichtige Handlungsmöglichkeiten. Wichtig wäre auch, dass in Schulen andere Formen von Bildung angeboten werden, als es heute der Fall ist. Es bedarf Bildungsangebote, die den Kompetenzen, die Kindern aus sozial benachteiligten Familien kommen, nicht im Wege stehen. Nehmen wir nur einmal die Sprache. Es ist einfach so, dass die sprachliche Entwicklung sehr wichtig ist. Aber wir wissen aus Untersuchungen, dass in Familien, in denen die Eltern einen geringen Bildungsgrad haben, auch der Sprachcode nicht mit dem Sprachcode harmoniert, der dann in der Schule benötigt wird. Hier müsste es zielgruppen- und lebensraumorientierte Förderprogramme geben.

Aber um wieder auf Ihre Ausgangsfrage zurückzukommen: Bildung ist kein Garant, aus der Armut zu entkommen. Der Vorschlag „Bildung“ wird als Credo gebraucht, oft ganz im neoliberalen Sinne. Damit wird gesellschaftsstrukturelles Versagen wieder individualisiert. [Ich habe alles, was ich kann, sprachlich, musikalisch (bis auf den Grundkurs), und bildnerisch-Künstlerisch, durch learning by doing und abschauen bei anderen selbst angeeignet. Was die Bildende Kunst anging, und die Bildhauerei, habe ich eine Zeitlang bei einer Künstlerin zugeschaut bzw. diese  hat mir gezeigt, wie man … zb. ein Bild grundiert. Oder einen Stein bearbeitet. Ich habe also alles selbst gelernt. Ein halbes Jahr hatte ich eine sehr gute Lektorin, da habe ich schreiben gelernt. Aber was nützt das Wissen, mein Wissen? Ich kann es nicht anbringen. Die Gesellschaft will einfach mein Wissen und mein Können nicht. Bildung alleine, und weiter gehend, KÖNNEN, hilft keinem Armen aus der Armut heraus. Armut selber verhindert jeden Erfolg, denn um Erfolg zu haben, muß man sein Produkt bewerben können. Ich konnte das nie. Ohne Werbung aber keine Verbreitung, keine Reklame, keiner oder kaum jemand wußte von meinen Produkten, ergo hatte ich auch keinen Erfolg. Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß das größte Können NICHT zum Erfolg führt, wenn der Könner zu arm ist, sein Produkt zu bewerben. Es muß sich schon um eine sehr armselige Gesellschaft handeln, die freiwillig oder sogar gerne und bewußt auf einen Teil ihrer Mitglieder und deren Können bzw. Wissen verzichtet. Daran kann man erkennen, wie armselig und verkommen diese Gesellschaft ist.]

Wäre es nicht endlich für Politiker angebracht, sich zum Thema Armut ehrlich zu machen und anzuerkennen, dass der Armutskreislauf, also die bekannte Vererbung von Armut, nur dann gelöst werden kann, wenn weitaus mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden, als es bis jetzt der Fall ist?

Absolut. Man kann der Politik nur raten, anzuerkennen, dass es Armut in unserem Land gibt. Und dann differenziert und reflektiert das Armutsphänomen zu analysieren und zu handeln. Was führt zur Armut? Wenn ich weiß, was zur Armut führt, gilt es Strukturen aufzubauen, die dieser Armut auch tatsächlich entgegenwirken.

Wenn wir heute von Kinderarmut reden, dann sollte uns klar sein: Sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern muss angesetzt werden. Wir brauchen deshalb ganz andere Armutsvermeidungs- und Versorgungskonzepte. Wir müssen in den Lebensraum, ich muss in den sozialen Brennpunkt rein und dort meine Angebote etablieren, wo die Menschen leben. Ich darf nicht warten, bis sie irgendwann in eine Beratungsstelle oder zu einem Amt kommen. Wir haben 1,5 Millionen Kleinwohnungen zu wenig. Der soziale Wohnungsbau, die soziale Stadt: Die wurden gestrichen, diese Konzepte gilt es wieder zu beleben. [Der Gesellschaft ist es egal, wenn Menschen unter Brücken wohnen müssen.]

Der soziale Wohnungsbau war unter Helmut Kohl als Kanzler schon ein Problem.

Das ist jetzt ein anderes Thema, aber es passt doch: In keinem anderen Land gibt es eine so hohe Anzahl an sogenannten ADHS-Erkrankten, also Kindern, denen man die Diagnose Hyperaktivitätssyndrom zuordnet. Und in keinem anderen Land wird so oft Ritalin, ein Amphetamin, verordnet wie hierzulande. Auch hier wird wieder pathologisiert und individualisiert. Man sagt: Du bist krank!

Diese Verhaltensphänomene haben mit dem Lebensraum zu tun. Es gibt kaum noch Spielplätze, Grünanalagen usw. Man investiert in Luxuswohnungen, die sich arme Menschen nun mal nicht leisten können und verdrängt diese in Gegenden, wo es keine wohnortnahen Spiel- und Erlebnismöglichkeiten für die Kinder gibt. Noch schlimmer ist es in den USA. Meine Studenten frage ich öfter mal: Wisst ihr, wo in den USA die Spielplätze in aller Regel sind? Bei McDonalds. Wie sich das auf die Ernährung der Kinder auswirkt, brauchen wir nicht weiter zu erörtern.

Die Politik – das ist mein Wunsch – müsste auf allen Ebenen Armutsbekämpfung mitdenken. Dazu gehört es auch, die Wohnsituation von Einkommensarmut Betroffener zu verbessern.

Aber dann wird man rasch auch über die Finanzierung sprechen müssen.

Darüber muss man sprechen. An der Diskussion über eine Umverteilung wird man nicht vorbeikommen und das ist gut so. Dann muss darüber geredet werden, dass Menschen hier im Land immer reicher werden, während andere völlig auf der Strecke bleiben. Nur, wenn die Politik ernsthaft Armut bekämpfen will, muss sie den Reichtum in Deutschland problematisieren. Das heißt: Erhöhung der Einkommensteuer, Vermögensteuer, Erbschaftssteuer usw. Es gibt viele Möglichkeiten, über eine Umverteilung sozial Benachteiligten die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben wieder zu ermöglichen. Die Politik muss sich dann allerdings wagen, bestimmte Strukturen aufzubrechen. [Geld ist genug da. Der Staat will nicht für Arme sorgen. Der Staat braucht die Armut zur Abschreckung.]

Das würde allerdings dazu führen, dass die Parteien, die eine Änderung der Verhältnisse herbeiführen könnten, Probleme mit ihren Wählern bekommen.

Da bin ich mir nicht so sicher. Die Menschen, die so genannten Normalbürger, haben ein feines Gespür für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. [Da wäre ich mir nicht sicher. Bürger kümmern sich nur um ihre eigenen Belange und so lange sie selbst nicht betroffen sind, interessiert sie die Armut der Anderen nicht.]

Vordergründig lässt sich nachvollziehen, warum Parteien wie die CDU vor so einem Schritt zurückschrecken. Aber sie unternehmen ja nicht einmal den Versuch, gegenüber ihren Wählern zu kommunizieren, dass Armutsbekämpfung auch etwas ist, was letztlich dem ganzen Land irgendwann auch zugutekommen wird.

Natürlich. Wird soziale Gerechtigkeit gesellschaftlich praktiziert, siehe die Untersuchungen von Richard Wilkinson, ist die Lebenserwartung höher, ist die Teenagerschwangerschaftsrate niedriger, ist die Kriminalität geringer usw. Von einer Gesellschaft, in der Armut weitestgehend abgeschafft ist, würden letztlich alle profitieren.

Die gesellschaftliche Realität sieht allerdings so aus, dass die Politik sehr stark vom Lobbyismus geprägt und manipuliert wird. Die Armen haben eben keine Lobby. Allerdings müsste die Politik doch erkennen, dass es ein großes Bedürfnis in unserer Gesellschaft nach sozialer Gerechtigkeit gibt. Die Menschen wollen nicht in Angst leben, in einem System leben, das Armut erzeugt und manifestiert.

Lassen Sie mich einen anderen Gedanken aufgreifen.

Gerne.

Als Martin Schulz mit dem Thema soziale Gerechtigkeit antrat, hat die SPD sofort in den Umfragen zugelegt. Warum? Weil es eine Sensibilität gegenüber dem Thema gibt und die Sehnsucht da ist, dass endlich eine Partei wieder die soziale Gerechtigkeit in den Vordergrund stellt. Rasch hat die SPD dann aber wieder an Zustimmung verloren, weil sie eben nur von sozialer Gerechtigkeit gesprochen, aber nicht geliefert hat. Hätten die Sozialdemokraten den Mut gehabt zu sagen, soziale Gerechtigkeit heißt für uns: Wir wollen in den sozialen Städtebau investieren, wir haben erkannt, dass die Agenda 2010 nicht ausgewogen war, wir erhöhen die Einkommensteuer, führen eine Vermögensteuer ein und sorgen für Umverteilung von oben nach unten, wir investieren in eine gerechte Bildung usw., dann wäre der Hype geblieben.

Ich sehe hier bei meiner Arbeit eine hohe Solidarisierung und spüre, dass es ein Bewusstsein für die Armutszustände im Land gibt. Menschen wollen helfen, erklären sich solidarisch. Deshalb verstehe ich nicht, warum von politischer Seite nicht der Mut vorhanden ist, das Thema soziale Gerechtigkeit mit ehrlicher Absicht auf die Agenda zu setzen. Auch wenn sie dann vielleicht einige ihrer Wähler verlieren würden, sie würden viele Wähler auch hinzugewinnen. Davon bin ich überzeugt.

Als die Agenda 2010 eingeführt wurde, konnte man beobachten, dass es Applaus aus der Mittelschicht gegeben hat. Mittlerweile scheint mir aber, dass viele Menschen auch aus der Mittelschicht erkannt haben: Sie könnten auch irgendwann einmal von Armut betroffen sein und sie würden dann genau in diese Strukturen abrutschen, die sie zuvor noch begrüßt haben.

Den Menschen im Land wird immer bewusster, wie schnell der soziale Abstieg geschehen kann. Viele haben damals wohl gedacht: Die Agenda 2010 betrifft mich nicht. Aber jetzt, wo die Gefahr, von Einkommensarmut betroffen zu sein, immer näher rückt, wird das Bewusstsein gegenüber den Strukturen, die zu Armut führen, geschärft. Armut rückt näher an viele Menschen heran. Deshalb ist es so wichtig, offen über Armut und die Strukturen, die sie erzeugen, zu reden und nicht zu tabuisieren. Dann würde schnell deutlich: Armut kann mittlerweile sehr viele Menschen plötzlich betreffen. Das heißt, hier geht es nicht um ein individuelles Problem, sondern, wie bereits angesprochen, um ein Strukturproblem.

Die Charité in Berlin hat Krebspatienten gefragt, wovor sie am meisten Angst haben. Man hätte erwarten können, dass sie sagen würden: vor dem Tod. Aber stattdessen sagten sie, sie hätten Angst vor sozialem Abstieg. Wer dauerhaft schwer krank ist, kann häufig nicht mehr so viel arbeiten, zumindest vorübergehend. Er wird weniger Geld verdienen, vielleicht sogar in der Arbeitslosigkeit landen. Und dann ist man eben in dieser Abwärtsspirale. Krankheit steht an dritter Stelle als Ursache für Verschuldung in unserem Land. Erst danach kommt der Konsum als Ursache. Deshalb, nochmal: Armut kann jeden treffen. Nun ist die Politik gefragt, zu handeln.“ ZITAT und ARTIKEL ENDE

3e

Bezüglich des Bewußtseins der Gesellschaft für Armut kann ich dem Herrn nicht zustimmen. Ich erlebe diese Gesellschaft als eine Masse von Einzel-Individuen, die für sich alleine oder eben in ihren jeweiligen Familien, so vorhanden, kämpfen. Es gibt keine Solidarität und es gibt auch kein Bewußtsein in der Gesellschaft dafür, daß es viele Arme gibt, ja, sogar Obdachlose (die unterste Stufe der Armut), denn: Gäbe es dieses Bewußtsein, dann würden die Menschen ja etwas dagegen unternehmen.

Das Bewußtsein eines Mißstandes, verbunden mit der gleichzeitigen Untätigkeit, etwas gegen diesen Mißstand zu unternehmen, das paßt für mich nicht zusammen.

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Ernst Wolff – die Absurdität stetigen Wachstums

Warum dieses Video sehenswert ist:

Zusammenhänge zwischen Politik und Wirtschaft – schaut hinter die Absurditäten der heutigen Entwicklung – welche „Triebkräfte“ sind am Werk – der Finanzsektor ist DER Krankheitsherd der heutigen Welt.

Wirtschaft bedeutet/meint heute hauptsächlich FINANZWIRTSCHAFT, weil diese unendlich größer ist als der reale Wirtschaftssektor.

Finanzsektor: Die Mehrheit der Menschen geht immer noch davon aus, daß dieser Finanzsektor nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft ist, also einer von vielen mehr oder weniger gleich bedeutenden Bereichen. Das aber stimmt seit über einem Jahrhundert nicht mehr. – Die Banken waren und sind die größten Kriegsgewinner – all wars are banker`s wars – Veränderungen im Finanzsystem seit den 70er Jahren – Explosion des Finanzsystems in den 90er Jahren – niemand kann heute mehr sagen wie groß das Finanzsystem ist – Entwicklung globaler Grauzone aufgrund Lockerung rechtlicher Vorschriften.

Das Finanzsystem entscheidet heute darüber:

  1. was für eine Ausbildung wir genießen
  2. ob wir Arbeit haben
  3. ob und wie uns im Krankheitsfall geholfen wird
  4. ob und wie wir im Alter versorgt sind

Das heißt: Das Finanzsystem entscheidet, wie hoch unser Lebensstandard ist. Ist das nicht Grund genug, dieses Video zu sehen (Länge: 39.26 Min.)?

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