Patriotismus oder Nationalismus?

Bezug nehmend auf diesen Artikel beim Fassadenkratzer:

https://fassadenkratzer.wordpress.com/2017/03/17/die-verleumdung-des-patriotismus-als-nationalismus/

Die Verleumdung des Patriotismus als Nationalismus

Es ist etwas ganz Natürliches, das eigene Volk, das eigene Vaterland, die Heimat und die eigene Kultur zu lieben. Dies nennt man Patriotismus.  Ein Patriot ist also ein Mensch, dem es ernst ist um das Wohl seines Vaterlandes und allen damit zusammenhängenden Einzelheiten.

Jemand, der sein eigenes Vaterland liebt, hat auch Verständnis und Achtung für die Patrioten anderer Völker  und wird gegebenenfalls für deren Kultur Interesse entwickeln, welche sich unter Umständen steigern kann.

Dann zitier der Fassadenkratzer Heinrich Heine. Zitat Anfang:

„In einer gewissen Gefahr auszuarten, ist ein Patriotismus, der sich primär stolz auf die Nation als politische Organisation, als Staat, richtet, und der nicht mehr in innerem Zusammenhang mit dem zentralen Wesen des Volkes als Kulturgemeinschaft steht. Heinrich Heine verspottete ihn als fahnenschwenkende „Teutomanie“ und „Phrasenpatriotismus“, der vor falscher Treue zur Obrigkeit nicht gefeit ist. Heines Patriotismus richtete sich auf Deutschland als Kulturgemeinschaft, auf seine Musik, die Besonderheit des Dichtens und Denkens, das aus Deutschland hervorwuchs, und er rief seinen nationalen Kritikern entgegen:

Pflanzt die schwarzrotgoldne Fahne auf die Höhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien Menschentums, und ich will mein bestes Herzblut für sie hingeben.“ 4

Zitat Ende.

Der Fassadenkratzer behauptet weitergehend, daß sogenannte „nationale Phrasenpatrioten“ oft besonders laut aufträten und wer jedoch mit dem inneren Wesen des deutschen Geistes verbunden sei, wer nach heller Erkenntnis der tiefen Rätselfragen des Lebens strebe, die nur im Geistigen gelöst werden könnten, für den sei Vaterlandsliebe im Grunde eine so intime Angelegenheit, dass ihn eine gewisse Scham zurückhalte, laut davon zu sprechen.

Also jeder, der stolz ist, ist kein Patriot? Sondern Nationalist? Und jeder, der laut zur Sprache bringt, was Sache ist,  ist kein Patriot, sondern Nationalist? Auch, wenn die derzeitige Situation es erforderlich macht, die Deutsche Sache laut zur Sprache zu bringen, weil man sonst einfach nicht gehört wird?

Weiter im Text des Fassadenkratzers: Demgegenüber sei der Nationalismus, Zitat Anfang:

„eine auf Erwählung- und Sendungsbewusstsein beruhende, streitbare, zur Selbstüberhebung gesteigerte politische Haltung.“ 5 Er ist die „übersteigerte, intolerante Erscheinungsform des Nationalgedankens und des Nationalbewusstseins. Während ein maßhaltender, die gegenseitige Anerkennung und Achtung der Nationen nicht ausschließender Patriotismus eine unentbehrliche Voraussetzung jeder Staatlichkeit ist, gefährdet der Nationalismus, besonders in seiner schärfsten Form (Chauvinismus) den internationalen Frieden, indem er das nationale Eigeninteresse (sacro egoismo) über alle anderen Werte erhebt.“ 6 Der Nationalismus ist  gemeinsamer, nationaler Egoismus, der sich mit Herabsetzung und Unterdrückung anderer Nationen auslebt.“

Die Fußnote verweist auf Erich Bayers Wörterbuch zur Geschichte, erschienen 1965.

Nationalismus oder Patriotismus
Goldene Aue

Fassadenkratzer: „Im Westen, insbesondere in England, Frankreich und Spanien, kam zu dem durch die Gemeinsamkeit von Sprache und Kulturüberlieferung bestimmten Nationalgefühl bereits im Ausgang des Mittelalters das Streben, die Nation zu einem geschlossenen, souveränen Staatskörper zu machen. Diese Verbindung des Volkhaft-Kulturellen mit dem Politisch-Staatlichen zum Bewusstsein eines nationalen Einheitsstaates sollte die Geschichte bis in die Gegenwart bestimmen.

Doch dieses geschlossene Nationalbewusstsein nahm schon in der englischen Revolution von 1640-1660 mit dem religiös-nationalen Überlegenheitsanspruch, England sei das neue, von Gott auserwählte Israel, eine nationalistische Tendenz in sich auf. In noch stärkerer Form trat der Nationalismus in der Französischen Revolution von 1789 auf und erreichte einen Höhepunkt im nationalen Imperialismus Napoleons.

Demgegenüber lebte in den deutschen Dichtern und Denkern der Klassik, der idealistischen Philosophie und der Romantik das Nationalbewusstsein nur in seiner volkhaft-kulturellen Ausprägung. Einen deutschen Gesamtstaat gab es auch nicht. Der deutsche Sprachraum war in eine Vielzahl von sich voneinander abgrenzenden territorialen Fürstentümern zergliedert, die ein Einheitsbewusstsein der Deutschen, das zu einem einheitlichen Staat führen könnte, bekämpften.

Schiller und Goethe dichteten in den Xenien gemeinsam: „Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden, wo das gelehrte beginnt, hört das politische auf.“ Für sie war die kulturell-geistige Nation das Entscheidende, hinter der die politische als unbedeutend verschwand. Die äußere politische Einheit wurde von den Kultur-Schaffenden auch gar nicht angestrebt. Dies geschah erst in der gegen die Restauration der Adelsherrschaft gerichteten demokratischen Revolutionsbewegung von 1848.

Die Nationalismus-Vorwürfe an Fichte

Auch dem Philosophen Johann Gottlieb Fichte kam es gerade während der Besetzung durch Napoleon darauf an, das Gemeinsamkeitsgefühl aller Deutschen als Kulturnation zu wecken, um nicht die Eigenständigkeit als Kultur-Volk aufzugeben, sondern Widerstand zu leisten. Doch schon die Eingangsworte seiner „Reden an die deutsche Nation“, die er 1807/1808 in Berlin hielt: „Ich spreche für Deutsche  schlechtweg und von Deutschen schlechtweg“, wurden missverstanden und nationalistisch ausgelegt, indem man nicht berücksichtigte, dass es ihm gerade darum ging, gegen das Verbot der Territorialfürsten die kulturelle Einheit aller Deutschen zu beschwören.“ ZITAT ENDE

Erst Fichte komme laut Fassadenkratzer zu dem richtigen Schluß: “ Der Staat ist nur „Mittel, Bedingung und Gerüst“ für das Volk.“

Der Fassadenkratzer schlußfolgert daraus:  „Für Fichte ist das Volk auch weniger eine leibliche Abstammungs-, als eine seelisch-geistige Kulturgemeinschaft. „, und mißachtet, daß beides mit einander verknüpft ist. Abstammung und seelisch-geistige Kultur gehören zusammen, bedingen einander.

Weiter geht der Artikel des Fassadenkratzers auf die Verwischung/Vermengung der Begrifflichkeiten „Nationalismus“/“Patriotismus“ ein, und, behauptet, daß dies politische Absicht sei.

An diesem Punkt will ich die Vorgabe des Fassadenkratzers verlassen. Denn ich habe eine andere Meinung.  Ich bin der Meinung, Patriotismus kann in der heutigen Zeit ohne Abgrenzung von anderen Völkern, nicht auskommen, da Deutschland und das Deutsche Volk vom unmittelbaren Untergang bedroht sind. Die volkhaft-kulturelle Ausprägung kann NICHT ohne den regulierenden Staat, natürlich idealerweise das eigene Vaterland, auskommen, ja, sie kann ohne diesen Staat heutzutage nicht existieren. Dies beweist gerade die heutige Zeit, die alles Deutsche vernichten will. Dabei ist der Bereich der Kultur für mich besonders maßgebend, dieser Bereich,  in dem alles, was nicht Deutsch ist, seit vielen Jahrzehnten gefördert und gefordert wird, – soweit man bei der heutigen Hässlichkeit und Dekadenz überhaupt noch von Kultur sprechen mag – und somit auf der anderen Seite alles Schöne, Wahre, Edle und Gute (das betrifft gerade und ausdrücklich den Kulturbereich) vernichtet wurde und wird. Weiterer Sinn und Zweck des Ganzen: Die Menschen sollen nicht mehr wissen, was gut ist, was schön ist, wo ihre Wurzeln sind, was ihre Werte sind, wie Zusammenhalt aussieht und sich anfühlt, das ist die derzeitige deutschvernichtende Agenda. Vernichtung beginnt immer mit der Vernichtung der Kultur.

Und sie war leider größtenteils erfolgreich. Ich kann nicht erkennen, daß diesbezüglich ein Umdenken in einem Teil der Bevölkerung eingesetzt hat, im Gegenteil, die Dekadenz treibt täglich neue, höchste Blüten. Immer wenn man denkt, noch schlimmer, noch häßlicher könnte es nicht kommen, dann kommt es genau so.

Kultur ist immer ans Volk gebunden, sie ist volks-spezifisch. Deshalb muß beides geschützt werden, sonst verschwindet es. Schützen heißt aber: einen verbindlichen rechtlichen Rahmen schaffen, ohne diesen geht es nicht. „Jedem Volk seinen Boden“, ist ein weiterer Satz, der in die richtige Richtung weist.

Die negativen Aspekte des Nationalismus, die der Fassadenkratzer anführt, als da wären: Sendungsbewußtsein, streitbare, zur Selbstüberhebung gesteigerte politische Haltung, lehne ich ab. Ich habe kein Sendungsbewußtsein. Ich bin auch nicht streitbar. Ich sehe allerdings auch KEINE automatische Verknüpfung vom Nationalismus mit diesen Eigenschaften. Man kann Nationalist sein, ohne Sendungsbewußtsein zu haben, und ohne streitbar zu sein (im Friedensfall).

Sind wir im Frieden? Bitte mal drüber nachdenken!

Persönlich bin ich erst dann streitbar, wenn ich mein Volk vom Untergang bedroht sehe – was seit längerem der Fall ist. Dies wäre auch bei Angehörigen anderer Völker so, Streitbarkeit hat etwas mit Wehrhaftigkeit zu tun  und ist eine natürliche Eigenschaft des Menschen, denn kein Mensch keines Volkes der Erde läßt sich einfach so, ohne sich zu wehren, vernichten.

Fazit zum Fassandenkratzer: Der Fassadenkratzer erkennt an, daß: „heute allgemein unter Nationalismus eine Überhebung über andere Völker, die mit deren Abwertung verbunden ist, verstanden wird. Dadurch werden Menschen, die in Wahrheit von einer berechtigten Vaterlandsliebe erfüllt sind, bei den unkritischen Massen wahrheitswidrig in den Geruch gesetzt, üble Nationalisten zu sein, denen die eigene Nation auf Kosten der anderen über alles gehe – was in der Vergangenheit zu furchtbaren Kriegen geführt hat.“

    •  was ich so nicht anerkenne. Ein Nationalist ist für mich KEIN Mensch, der automatisch dieses Verhalten an den Tag legt. Wieviel es natürlich bringt, gegen die „allgemeine Meinung“ (wo kommt diese her? Bitte mal drüber nachdenken) anzuschreiben, lasse ich mal so dahin gestellt. Vielleicht muß man sich deshalb, weil sich die Allgemeinheit unter „Nationalismus“ automatisch die obigen negativen Eigenschaften vorstellt, von diesen Eigenschaften auch gesondert distanzieren.
    • Ich kenne es aber auch anders herum: daß Menschen Patrioten schlecht reden, man selbst sei ja „Nationalist“, und das sei natürlich etwas „Besseres“. Aus solchen Aussagen spricht natürlich – deutlicher kann man es nicht offenlegen – ganz klar Chauvinismus. Ein Mensch, der so etwas sagt, fühlt sich als etwas Besseres und ist menschlich eine Null.

Teutoburgs Wälder

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