Neoliberalismus – Volksgemeinschaft

Erst einmal muss man anerkennen können, dass man ein Opfer ist. Offensichtlich geht es nur so.

In der heutigen Gesellschaft ist es allerdings verpönt, ein Opfer zu sein. Es gibt ein regelrechtes gesellschaftliches Verbot, ein Opfer zu sein. Ein Opfer von… sagen wir einfach mal: „Den Umständen“ (Leben, Zeit, in der man lebt, Elternhaus, usw): In der heutigen Gesellschaft ist es „in“, beziehungsweise es wird als „politisch korrekt“ angesehen, „selbst schuld“ zu sein an den eigenen Lebensumständen. „Selbst schuld“ist der Haupt-Leitsatz des Neoliberalismus und seiner „modernen“ Form, des Libertarismus, mit dessen Einführung gesellschaftliche Verantwortung nach und nach abgeschafft wird.

„Die Gesellschaft“ wird beziehungsweise wurde, parallel zu diesen Vorgängen, abgeschafft; es gibt keine Gesellschaft mehr als homogene Masse. Es gibt kein Volk mehr. Nichts dergleichen. Es gibt nur noch einzelne Menschen. Was man früher „sozial“ nannte, gibt es kaum noch, „sozial“ gilt fast als Schimpfwort. Das, wofür die SPD noch kämpfte (lang ist es her), gibt es nicht mehr. Das, was die SPD als Arbeiterpartei groß gemacht hat, ist verschwunden, Soziales wurde privatisiert, Volkseigentum in Deutschland wurde an ausländische Investoren verkauft, Kommunen dürfen diese Dinge heute kostspielig zurück mieten, auf Kosten des deutschen Steuerzahlers natürlich. Im politischen Spektrum links von  der SPD findet man eine internationalsozialistische Linke, die eine Lehre vertritt, in der wir alle gleich sind, es keine Grenzen mehr gibt, eine Lehre, die den letzten Rest an Identität und Individualität vernichten will – also eine Lehre, die für jeden denkenden Menschen inakzeptabel ist. Während der heute vorherrschende Neoliberalismus von Libertären (diese angeblichen Freien ohne Volksidentität) öffentlich und medial als „Sozialismus“ oder gar „Kommunismus“ bezeichnet wird und sogar noch weiter bekämpft wird. Natürlich mit dem Ziel, alles noch weiter zu verschärfen.

Gemäß der Aussagen all dieser politischen „Lehren“ existieren keine Opfer. Es herrscht die gesellschaftlich als korrekt empfundene Meinung: „Jeder ist seines Glückes Schmied“, vor, und dementsprechend ist jeder selbst schuld, ob er „was wird“ oder nicht. Das ist heute gesamtgesellschaftlicher Konsens.

Dies ist natürlich eine kapitalistische (neoliberalistische/libertäre) Lüge, ich habe dies ausführlich belegt, nicht zuletzt dank meiner eigenen Lebenserfahrung.  Ich hatte keine Chance, als Arbeiterkind, aber meine Eltern auch schon nicht. So etwas zieht sich über Generationen durch die Familien, genauso, wie Reichtum fast immer vererbt wird.

Man muss das Ganze aber im Gesamten sehen. Deutschland hatte viele Arbeiter, sehr viele haben Deutschland nach dem 2 Weltkrieg, der nichts als die Fortsetzung des 1. Weltkrieges war, wieder aufgebaut. Einige sind auch in dieser Wiederaufbauzeit gut voran gekommen, haben Reichtum, Besitzstand, und so weiter, aufgebaut. Die Arbeiter allerdings nicht. Ich erinnere mich noch sehr gut, das erste vernünftige Weihnachtsessen, was wir uns erlauben konnten, in den 60er Jahren, war ein Hühnchen. Es waren arme Zeiten. Mein Vater, auch „nur“ einfacher Arbeiter, war stolz wie Oskar, irgendwann durch seine Kaputtmalocherei bei Bayer (Schichtarbeit), ein sehr kleines Auto fahren zu können. Und er hat sich wahrlich kaputt gearbeitet, früh Krebs bekommen, und dann war Ende. Meiner Mutter ging es ähnlich. Beide haben sich kaputt (das heißt: Tot) gearbeitet, beide wußten aber auch nichts anderes. Sie hatten keinen Zugang zu höherer Bildung oder gar Reichtum oder Luxus. Wobei Bildung auch damals schon viel Geld kostete.

Das ist Arbeiterschicksal. Und kein Arbeiter soll da je raus kommen.  Auch wir als Kinder sollten da nie raus kommen. Und das ist normal in unserer Gesellschaft. Wird aber nicht gesehen. Findet öffentlich nicht statt. Es gibt keine öffentliche Debatte über Armut und ihre Folgen, und dass man da nicht rauskommt. Eine solche Debatte wäre ja auch zu peinlich. Für die Reichen. Über „so etwas“ redet man nicht öffentlich. Das kann man nicht öffentlich machen.Denn des einen Reichtum bedeutet automatisch die Armut des Anderen.

Diese geht ja nun sogar so weit, die Renten immer weiter zu kürzen. Mindestlöhne — wird es durchgehend nie geben, der gesellschaftliche Druck auf Arme, JEDE Arbeit, egal wie erniedrigend und wie unterbezahlt sie ist, machen zu müssen, steigt immer weiter. Dafür hat HartzVier gesorgt. Damit hat man die Gesellschaft erfolgreich noch weiter in „arm“ und „reich“ gespalten. Wobei die Armut immer absoluter wird, das heißt, auswegsloser. Reiche Leute verstehen das gar nicht, ich habe mit einigen geredet. Sie haben halt Geld. Sie denken, durch Arbeit könne man ebenfalls reich werden. Dass das nicht geht mit Hungerlöhnen, verstehen sie nicht. Dass man nicht erfolgreich sein kann, wenn einem zum Erfolgreich-Sein erst mal das nötige Geld und die nötigen Beziehungen fehlen, verstehen sie auch nicht, weil sie ja all dies selbst haben. Wie es ist, wie es sich anfühlt, wenn man all dies nicht hat, und ständig aus der Armut heraus gegen Windmühlenflügel ankämpft, wissen sie nicht weil sie es nie erlebt haben.

In der reichen Welt funktionieren solche Dinge wie „Erfolg“ von alleine – eben durch Geld und Beziehungen. Die „hat man halt“,  Geld „hat man halt“, Abi „hat man halt“, studieren „tut man halt“, Auto hat man halt, Haus hat man halt (oder mehrere) und so weiter. Alle diese Dinge haben Reiche von GEBURT an. Sie müssen da nicht für arbeiten. Der Rest („Erfolg“) geht dann durch ein bisschen Bemühen von alleine.

In der armen Welt funktioniert Leben so nicht. Wir hatten das alles nicht. Wir hatten kein Geld, kein Abi, kein Haus, keine Beziehungen zu Leuten, die etwas bewirkt hätten können. Wir hätten das auch nie bekommen, mein Vater nicht, mit seinen Hungerlöhnen, meine Mutter nicht, ich nicht, meine Schwester nicht. Meine Restfamilie, soweit ich dies weiß, auch nicht. Das waren beziehungsweise sind alles arme Arbeiter. Man hat halt NICHTS als Arbeiter – bis auf das Nötigste. Mehr soll man auch nie bekommen, sagen sich die Reichen, denn dann würde der Arme ja nicht mehr arbeiten gehen. Diee Tatsachen wollen Reiche aber nicht wahrnehmen. Statt dessen halten sie den Armen ständig die Mohrrübe des „Erfolgs“ vor die Nase, damit Arme eben immer weiter malochen – eben für Reiche, und deren Steuerfreiheit und so weiter – eben deren schönes Leben.

Jeder Mensch hat das Recht, ein ihn erfüllendes Leben als Teil seiner eigenen Volksgemeinschaft, führen zu können – natürlich durch eigenen Einsatz, ganz klar, ich will ja hier nicht der Faulheit das Wort geben, aber heute ist es so, dass Arme beziehungsweise Arbeiter allgemein eben dieses Recht NICHT haben. Man verwehrt es ihnen. Sie sind Opfer aufgrund ihrer Armut.

Der Neoliberalismus verbietet, zu sagen, dass man Opfer ist, Opfer der Gesellschft, Opfer der Wirtschaft. Natürlich verbietet er, offen zu sagen dass breite Menschenmassen dies so sehen, denn es besteht ja die Gefahr, dass diese breiten Massen, die sogenannte „Arbeiterklasse“, die ein gemeinsames Schicksal teilt: nämlich Verfügungsmasse einiger weniger Reicher zu sein, und notfalls eben auch, wenn sie von den Reichen nicht mehr weiter ausgepreßt werden können, gar zu viel Geld kosten, abgeschafft zu werden, SICH miteinander solidarisieren und organisieren. 

Das muss um jeden Preis verhindert werden!

Wenn sich diese Situation verschärft, und vieles spricht dafür, dass es so sein wird, braucht man nur noch wenig Arbeiter. All die Massen, die jetzt versteckt und offen arbeitslos sind, werden dann überflüssig sein  – sind sie ja jetzt schon. Irgend ein guter Kabarettist hat da mal ein paar böse Scherze drüber gemacht, die Zuschauer haben zwar gelacht, aber richtig begriffen haben sie es nicht. – Die armen Rentner sollen sowieso weg, die kosten nur unnötig Geld. Arme Rentner haben auch keine Lobby – denn eine Lobby zu haben kostet wieder Geld, und Geld  haben halt arme Rentner nicht. Dasselbe gilt natürlich für alle anderen, die nicht kapitalistisch verwertbar sind: Kranke, Schwache, Behinderte. Diese Leute sollen weg; dies ist die Zielvorgabe der sogenannten „Eliten“ für die Welt von morgen. Mit der Fremdenflutung setzt man uns zusätzlich unter Druck, denn diese fremden Leute werden – zumindest teilweise – für noch weniger Geld arbeiten, als es Deutsche tun. Weil man auch ihnen die kapitalistische Mohrrübe des „Erfolgs“ vor die Nase gehalten hat, sonst wären sie nicht nach Deutschland gekommen. Diese Leute nehmen uns das weg, was wir noch haben – mit den Wohnungen fängt es an, ich selbst habe über ein Jahr nach einer „zugelassenen“ Wohnung suchen MÜSSEN. Einfach weil es kaum welche gibt.

Aber Deutsche in sich sind total zerstritten. Und das geht so nicht. Ohne Einigkeit wird keine Änderung zu erreichen sein.  Dies geht aber nicht, wenn diejenigen, die – noch – Arbeit haben, gegen diejenigen hetzen, die längst Opfer dieses Systems geworden sind. Ich erlebe immer wieder Hetze online, in der Deutsche gegen Arbeitslose oder Arme hetzen frei nach dem Motto: „der Arme/Arbeitslose ist selber schuld, er braucht ja bloß mehr zu arbeiten“. Diese Worte sind eine Wiederholung der neoliberalistischen Ideologie, und ich wage mal zu behaupten, dass diejenigen, die so etwas sagen, eher dumm im Kopf sind, oder sagen wir mal, „einfach gestrickt“ sind, gemütsmäßig, und dass diese Leute noch nie über das, was sie da wiederholen, und anderen vorwerfen, nachgedacht haben.

Unter solchen Umständen, wo jeder gegen jeden kämpft, zuzugeben, Opfer zu sein, ist schwierig. Man muss diese Dinge aber offen aussprechen können. Jeder einzelne von uns muss weg vom der neoliberalen Mär des „Einzelschicksals“, in der jeder „selbst schuld“ist, ob er was erreicht hat, oder nicht, hin zum Gesamtschicksal unseres Volkes. Unser Volk wurde gezielt seit vielen Jahrzehnten fertig gemacht, ein Teil dieser Vernichtung ist natürlich – am Anfang – die Aufteilung in Blöcke, die sich gegenseitig bekämpfen:

1. Arm gegen Reich
2. Rechts gegen links

Dazu muss man sich aber erst einmal als Volk begreifen LERNEN. Solange jeder gegen jeden ist, anschreibt, hetzt, wird das nicht funktionieren. Wir werden auch in  Zukunft wieder Arbeiter brauchen, aber Arbeiter, die wieder auch eine wirkliche Zukunft haben, und nicht eine ungewisse Zukunft, in der man nichts mehr voraussagen, planen kann, eine Zukunft, in der man nicht weiß, was morgen, nächsten Monat oder nächstes Jahr sein wird. Ich denke, auch jeder wird gerne Arbeiter sein, so er denn weiß, dass er für ein neues Deutschland arbeiten wird, welches nach unseren Vorstellungen gestaltet werden wird, und nicht von Mächten, die nicht zu unserem Volk gehören, und es nur auspressen und langfristig abschaffen wollen. Eine echte Volksgemeinschaft, in der keiner mehr Opfer ist, sondern jeder seine Chance hat, dafür arbeitet jeder gerne!

Hier noch ein Vortag zum Thema Neoliberalismus und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft (HartzVier kommt in diesem Vortrag eigentlich kaum vor):

Es ist ein langer Vortrag, wobei sich nach gut einer Stunde noch eine Fragerunde anschließt.

Teutoburgs Wälder

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2 Gedanken zu “Neoliberalismus – Volksgemeinschaft

  1. Marcus

    Mal ohne schwarz-weiss war es früher so, dass eine
    Rente durchaus noch einen Ertragsanteil hatte. Nun
    ist jeder Beitrag zwangsweise weggeworfenes Geld
    geworden, das man ja besser selbst angelegt hätte…
    Krankheit und Behinderung zu vermeiden wäre die
    klügste Entscheidung, da aber zu viele zu gut daran
    verdienen, wird auch nichts dagegen unternommen…

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    1. Nein, von „außen nicht“, da wird nichts gegen Krankheit und Behinderung unternommen. Und auch nichts gegen Armut an sich, generell. Sie wird halt nur negiert, sie findet öffentlich nicht statt.

      Aber jeder selbst, als daran Beteiligter, kann das auch nicht wissen, denn man wird ja in diese Verhältnisse hinein geboren. Als Kind kann man es nicht wissen und nicht gegen steuern.
      Wenn man einmal kapiert hat, was läuft, so mit 40, oder 50, dann ist es zu spät, etwas zu ändern, und eigentlich kann man auch nichts ändern, gesundheitlich nicht und generell, finanziell, beruflich, sowieso nicht.
      Die Dinge laufen dann einfach in den festgefahrenen Bahnen. Nur, das sagt einem Keiner, statt dessen wird die kapitalistische Mär des „du musst dich nur anstrengen/arbeiten“ verbreitet. Das ist ja das Kriminelle.

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