Die verkannte Freiheit

re-bloggt von: https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/07/27/die-verkannte-freiheit-oder-warum-viele-menschen-unfreiheit-hinnehmen/

„Unser Handeln ist nur dann frei zu nennen, wenn allein die Einsicht in eine klar im Bewusstsein stehende, von uns selbst produzierte moralische Idee das Bestimmende ist. Mit ihr liegen die Antriebe unseres Handelns nur in uns selbst. Unser Tun fließt allein aus der in uns zur freien Verfügung stehenden Idee. Ich handle nicht, weil ich einen Herrn über mir anerkenne, nicht ein göttliches Gebot, das allgemein Übliche oder die äußere Autorität eines wie auch immer gearteten Gesetzgebers. Es wären alles nur Zwänge. Aber wenn uns nichts mehr zwingt, warum handeln wir dann noch? Aus – Liebe. Die Einsicht in eine sittliche Idee weckt in uns das Bedürfnis nach ihrer Verwirklichung, rein um ihrer selbst willen. „Ich fühle keinen Zwang, nicht den Zwang der Natur, die mich bei meinen Trieben leitet; nicht den Zwang der sittlichen Gebote“  (S. 167).Ich will einfach ausführen, was ich selbst erkannt habe.

„Wer handelt, weil er bestimmte sittliche Normen anerkennt, dessen Handlung ist das Ergebnis der in seinem Moralkodex stehenden Prinzipien. Er ist bloß der Vollstrecker. Er ist ein höherer Automat. Werfet einen Anlass zum Handeln in sein Bewusstsein, und alsbald setzt sich das Räderwerk seiner Moralprinzipien in Bewegung und läuft in gesetzmäßiger Weise ab, um eine christliche, humane, selbstlose oder eine Handlung des kulturgeschichtlichen Fortschrittes zu vollbringen. Nur wenn ich meiner Liebe zu dem Objekte folge, dann bin ich es selbst, der handelt. … Ich erkenne kein äußeres Prinzip meines Handelns an, weil ich in mir selbst den Grund des Handelns, die Liebe zur Handlung, gefunden habe.“  (S. 166). 

Man könnte einwenden, damit würde der individuellen Willkür Tür und Tor geöffnet und kein Unterschied zwischen guten und bösen Handlungen gemacht. Doch eine böse Tat geht aus dem Ausleben blinder Triebe hervor, die sich dazu des Verstandes bedienen, und ist nicht mit dem Ausleben der Individualität zu verwechseln, die sich zur intuitiven Erfassung einer sittlichen Idee erhebt. Der blinde Trieb, der zum Verbrechen treibt, steigt aus meinem Organismus auf, der sich bei allen Individuen in gleicher Weise geltend macht, aus dem sich die geistige Individualität aber gerade im Erfassen der besonderen Form einer sittlichen Idee herausarbeitet. „Die Handlung aus Freiheit schließt die sittlichen Gesetze nicht etwa aus, sondern ein; sie erweist sich nur als höher stehend gegenüber derjenigen, die nur von diesen Gesetzen diktiert ist“ (S. 169). Eine aus der freien individuellen Intuition hervorgehende Handlung dient nicht weniger dem Gesamtwohl, als diejenigen, die aus Pflicht gegenüber den allgemein geltenden Geboten und Maximen vollzogen werden. Der bloße Pflichtbegriff schließt aber die Freiheit aus und fordert Unterwerfung unter eine allgemeine Norm.

Aus: https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/07/27/die-verkannte-freiheit-oder-warum-viele-menschen-unfreiheit-hinnehmen/

6-mit-schrift

Teutoburgs Wälder

 

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