Von der Kunst des Wartens und ihrer Kehrseite

Warten ist eine Kunst, mit Sicherheit, wenn es darum geht, den günstigsten Zeitpunkt abzuwarten, oder hoch wallende Emotionen erst mal abkühlen zu lassen, bevor man irgend etwas tut.
Aber: Es gibt auch eine Kehrseite. Nämlich dann, wenn aus bloßem Warten, oder nennen wir es: „abwarten“, Passivität wird.

Beim Deutschen ist das Warten zur Perversion verkommen. Selbst angesichts mehr als offensichtlicher Mißstände in seinem Land wartet er weiter.
Mittlerweile haben es diese offensichtlichen Mißstände sogar in die hörige Presse geschafft (Bsp: Köln/Silvester), aber der Michel wartet weiter.
Köln war mit Sicherheit nur ein „Einzelfall“, glaubt er. Mutti Merkel hat das ja schließlich oft genug gesagt. Es kann gar nicht sein, dass man sich im Krieg befinde, im Krieg gegen das deutsche Volk. Das ist alles nicht bewiesen. Das sind Lügen. Das stimmt alles gar nicht, sind alles Einzelfälle. Und ein Plan, eine Strategie, könne schon mal gar nicht dahinter stecken, hinter dem, was alles so in den letzten Jahren passiere, so etwas, so einen perfiden Plan, könne sich keiner ausdenken, geschweige denn, als langfristige Strategie auch durchziehen, denkt der Michel. Hier greift seine Einfältigkeit, seine Naivität, seine Gutmütigkeit, er kann von anderen nicht schlecht denken, weil er sich die Schlechtigkeit der Anderen nicht vorstellen kann.
Hinter diesem Warten steckt, vermute ich (sicher bin  ich nicht) eine Art „Obrigkeitsgläubigkeit“, verbunden mit einm tiefen Miß-trauen, ja, Angst. Letzteres ist natürlich erklärlich aufgrund der Kriegsgeschichte des Deutschen Volkes. Aber wer in Angst verharrt, wird niemals frei werden, das nur so nebenbei.(Ob der Deutsche überhaupt  Freiheit will, darüber ließe sich trefflich diskutieren, aber jetzt und hier nicht.)

Der Deutsche wartet immer auf die schriftliche Bestätigung, dass etwas ist, wie es ist. Er glaubt nicht, was er täglich sieht, (z.b. die steigende Anzahl von fremden Menschen auf der Straße), er glaubt nicht das, was er bei „Kopp online“ liest (wobei manche Spezialisten der deutschen Mentalität, die Augen ganz fest vor Offensichtlichkeiten zu verschließen, sich sogar weigern, „alternative“ Medien zu lesen), der Deutsche wartet immer auf ein „Formular“, oder etwas „amtliches“, oder, dass das, was möglicherweise doch Realität ist, „in der Tageschau kommt“ – erst dann bekommt es für ihn den Charakter des Wahren. Wenn es in der BILD-Zeitung steht, bekommt es für gewisse Leute auch den Stempel des Wahren. Erst dann, wenn es durch das Erscheinen und/oder Bestätigen irgendwelcher „amtlicher“ oder „staatlicher“ Stellen, am besten noch mit Stempel und Unterschrift bestätigt wird, wird etwas für ihn wahr

Oder wenn Mutti Merkel etwas verkündet. Das stimmt natürlich auch alles.
Allem Anderen haftet erst einmal – und das für lange Zeit – der Geruch der Lüge an.

Und so lange tut der Deutsche auch nichts. Vorher, bevor er nicht doppelt, dreifach oder besser noch, mehrfach, die Bestätigung hat, dass etwas wirklich, wirklich WAHR ist, bewegt er sich keinen Millimeter. Das könnte ja gefährlich sein, man weiß ja nie…

Und wenn er nicht gestorben ist, wartet er noch immer.

 

Teutoburgs Wälder

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